Migalastat (Galafold)

EMA-Zulassungsempfehlung bei Morbus Fabry

01.04.2016 Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Zulassungsbehörde (CHMP) empfiehlt die Zulassung von Galafold 123 mg Hartkapseln (aktive Substanz ist Migalastat) der Firma Amicus Therapeutics UK Ltd für die Behandlung von Morbus Fabry.

Wirkung

Der Wirkstoff ist das pharmakologische Chaperon Migalastat, entwickelt, um selektiv und reversibel an bestimmte mutierte Formen des α-Gal A-Enzym bei Patienten mit GLA-Mutationen zu binden, die auf Migalastat ansprechen. Die Bindung des Wirkstoffes stabilisiert das Enzym und erleichtert so den Transport zu den Lysosomen, wobei die Enzymaktivität wieder hergestellt wird.

Wirksamkeit

Die Bewertung des CHMP basiert auf den Ergebnissen aus zwei Phase-III-Studien mit etwa 110 Patienten mit Morbus Fabry, die eine genetische Mutation hatten, die auf Migalastat anspricht. Galafold demonstrierte seine Wirksamkeit im Vergleich zu Placebo und ERT (Standardtherapie) in einer langfristigen Vergleichsstudie.

Das Medikament konnte die Nierenfunktion bis zu 18 Monate bei Patienten mit Enzymersatztherapie (ERT) und bis zu 30 Monate bei ERT-naiven Patienten stabilisieren.

Es verbesserte auch die Herzfunktion nach 18-monatiger Behandlung bei ERT-erfahrenen Patienten und 30 Monate bei ERT-naiven Patienten.

In diesen Studien zeigten Galafold einnehmende Patienten keine allgemein störenden Nebenwirkungen; die häufigste Nebenwirkung war Kopfschmerz.

Indikation

Die vollständige Indikation wäre bei Zulassung: Galafold ist für die Langzeitbehandlung von Erwachsenen und Jugendlichen im Alter von 16 Jahren und älter mit einer bestätigten Diagnose von Morbus Fabry (α-Galactosidase A-Mangel) und mit behandelbarer Mutation angezeigt.

Da die Fabry-Krankheit selten ist, wurde diesem Medikament der Orphan-Status vom Ausschuss für Arzneimittel für seltene Leiden der EMA gewährt.
© arznei-news.de – Quelle: EMA, April 2016

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen bei Patienten, die das Medikament in klinischen Studien einnahmen, waren

  • Kopfschmerzen,
  • Nasen- und Rachenreizungen (Nasopharyngitis),
  • Harnwegsinfektionen,
  • Übelkeit und
  • Fieber (Pyrexie).

Morbus Fabry: EU-Zulassung

31.05.2016 Amicus Therapeutics gab heute bekannt, dass die Europäische Kommission die Zulassung für das oral einzusetzende Chaperon Galafold® (Migalastat) erteilt hat.

Der Wirkstoff aus der Gruppe der Small Molecules steht ab sofort als Erstlinientherapie zur Langzeitbehandlung von Erwachsenen und Jugendlichen ab 16 Jahren mit bestätigter Diagnose der Fabry-Krankheit (stark reduzierte Aktivität oder Fehlen des Enzyms α-Galaktosidase A (α-Gal A)) und sensitiver Mutation zur Verfügung.

Amicus geht davon aus, dass die Markteinführung in Deutschland unmittelbar erfolgt. Gleichzeitig wird das Unternehmen mit den jeweiligen europäischen Gesundheitsbehörden in Erstattungsbetragsverhandlungen treten.

Mit Migalastat steht Fabry-Patienten zum ersten Mal eine orale Therapie zur Verfügung sowie erstmals ein Wirkstoff aus dem Bereich der Präzisionsmedizin. Die breite Zulassung von Migalastat umfasst 269 Fabry-auslösende Mutationen, von
denen 35 bis 50 Prozent aller Patienten mit Morbus Fabry betroffen sind. Auf der Website
www.galafoldamenabilitytable.com können Fachkreise aus der Europäischen Union schnell und präzise einsehen, welche Mutationen auf Migalastat ansprechen.

Wirksamkeit in ATTRACT und FACETS

Die Zulassung der Europäischen Kommission basiert auf den Daten zweier klinischer Phase-III-Studien bei sowohl unbehandelten Patienten (Study 011 bzw. FACETS) als auch Patienten, die eine Enzymersatztherapie (ERT) erhalten hatten und auf Migalastat umgestellt wurden (Study 012 bzw. ATTRACT) sowie auf noch laufenden Langzeitstudien.

Morbus Fabry ist eine seltene, genetisch bedingte und lebensverkürzende Erkrankung, die durch die schrittweise Ansammlung von Globotriaosylceramiden (auch GL-3 oder Gb3 genannt) in den Lysosomen aufgrund der stark reduzierten Aktivität oder des Fehlens des Enzyms α-Galaktosidase A (α-Gal A) verursacht wird.

Migalastat wirkt bei Patienten mit ansprechenden Mutationen, indem es das körpereigene, nicht funktionstüchtige Enzym stabilisiert, sodass dieses die Ansammlung des die Krankheit definierenden Substrats beseitigen kann. Als ansprechende Mutationen gelten diejenigen, die auf eine Therapie mit Migalastat sensitiv sind.

Die Zulassung der Europäischen Kommission gilt für alle 28 Mitgliedstaaten der EU und Liechtenstein.

Wirkweise

Migalastat ist eine First-in-Class Chaperontherapie, die in der EU als Monotherapie zur Behandlung von Morbus Fabry bei Patienten mit ansprechenden Mutationen zugelassen ist.

Es stabilisiert das körpereigene, nicht funktionstüchtige Enzym α-Galaktosidase, sodass dieses die Ansammlung des Krankheits-Substrats beseitigen kann. Ein patentierter invitro-Test (Galafold Amenability Assay) wurde angewendet, um über 800 bekannte GLA-Mutationen als „sensitiv“ (ansprechend) oder „nicht sensitiv“ für Migalastat zu klassifizieren.

Die aktuelle Zulassung umfasst alle 269 GLAMutationen, die auf Grundlage des Galafold Amenability Assay identifiziert und als ansprechend ermittelt wurden. Diese Mutationen repräsentieren zwischen 35 und 50 Prozent der derzeit diagnostizierten Fabry-Patienten.
Quelle: Pressemitteilung Amicus Therapeutics, Mai 2016