Mirtazapin gegen Unruhezustände bei Demenz?

Studie untersuchte Wirksamkeit von Mirtazapin in der Behandlung von agitiertem Verhalten bei Demenz

Mirtazapin gegen Unruhezustände bei Demenz?

22.10.2021 Ein Medikament, das zur Behandlung von Unruhezuständen (Agitiertheit) bei Demenzkranken eingesetzt wird, ist nicht wirksamer als ein Placebo und könnte sogar die Sterblichkeit erhöhen laut einer neuen Studie.

Die von der Universität Plymouth geleitete und in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass das Antidepressivum Mirtazapin bei Demenzkranken keine Verbesserung der Unruhezustände bewirkte – und möglicherweise eher mit einer erhöhten Sterblichkeit in Verbindung gebracht wurde als keine Behandlung.

Agitiertheit

Agitiertheit ist ein häufiges Symptom von Demenz, das durch unangemessene verbale, vokale oder motorische Aktivitäten gekennzeichnet ist und häufig mit körperlicher und verbaler Aggression einhergeht. Die erste Maßnahme, die angeboten werden sollte, ist eine nicht-medikamentöse, patientenzentrierte Behandlung, doch wenn diese nicht anschlägt, können Ärzte zu einer medikamentösen Alternative übergehen.

Es hat sich gezeigt, dass Antipsychotika die Sterblichkeitsrate bei Demenzkranken erhöhen und zu anderen negativen Auswirkungen führen, weshalb Mirtazapin routinemäßig verschrieben wird. Mit dieser Studie sollte die Evidenzbasis für dessen Wirksamkeit erweitert werden.

Die Studie

Für die vom National Institute for Health Research (NIHR) finanzierte Studie wurden 204 Personen mit wahrscheinlicher oder möglicher Alzheimer-Krankheit an 20 Standorten im Vereinigten Königreich behandelt, wobei die eine Hälfte Mirtazapin und die andere Hälfte ein Placebo erhielt. Die Studie war doppelblind, d. h. weder die Forscher noch die Studienteilnehmer wussten, was sie einnahmen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Agitiertheit in der Mirtazapin-Gruppe nach 12 Wochen nicht geringer war als in der Kontrollgruppe. Außerdem gab es in der Mirtazapin-Gruppe bis zur 16. Woche mehr Todesfälle (sieben) als in der Kontrollgruppe (nur einer), wobei die Analyse darauf hindeutet, dass dies von geringer statistischer Bedeutung war.

Der leitende Forscher Professor Sube Banerjee von der Fakultät für Gesundheit und Demenz an der Universität von Plymouth erklärt, warum die Ergebnisse so überraschend, aber wichtig waren:

Weltweit sind 46 Millionen Menschen von Demenz betroffen – eine Zahl, die sich in den nächsten 20 Jahren verdoppeln wird. Eine schlechte Lebensqualität wird durch Probleme wie Agitiertheit verursacht, und wir müssen Wege finden, um den Betroffenen zu helfen.

Diese Studie zeigt, dass eine gängige Methode zur Behandlung der Symptome nicht hilfreich ist – und sogar schädlich sein könnte. Es ist sehr wichtig, dass diese Ergebnisse berücksichtigt werden und Mirtazapin nicht mehr zur Behandlung von Unruhezuständen bei Demenzkranken eingesetzt wird, schließen die Studienautoren.

© arznei-news.de – Quellenangabe: The Lancet (2021). DOI:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(21)01210-1

Weitere Infos / News:

Ads Blocker Image Powered by Code Help Pro

Bitte deaktivieren Sie Ihren Werbeblocker!

Arznei-News.de ist angewiesen auf Werbeerlöse. Deaktivieren Sie bitte Ihren Werbeblocker für Arznei-News!

Für 1,67€ – 2,99 € im Monat (kein Abo) können Sie alle Artikel werbefrei und uneingeschränkt lesen.

>>> Zur Übersicht der werbefreien Zugänge <<< 

Wenn Sie auf diese Seite zurückgeleitet werden:

Sie müssen Ihren Werbeblocker für Arznei-News deaktivieren, sonst werden Sie auf diese Seite zurückgeleitet. Wenn Sie nicht wissen, wie Sie bei Ihrem Browser das Adblock-System ausschalten (je nach Browser ist das unterschiedlich, z.B. auf den Browser auf Standard zurücksetzen; nicht das “private” oder “anonyme” Fenster, oder die Opera- oder Ecosia-App benutzen), sollten Sie einen anderen Browser (Chrome oder Edge) verwenden.

Sobald Sie dann einen Zugang bzw. Mitgliedskonto erworben und sich eingeloggt haben, ist die Werbung für Sie auf Arznei-News deaktiviert.