Multiple Sklerose: Wechsel des Medikaments kann helfen

Vergleich der Umstellung auf Ocrelizumab, Cladribin oder Natalizumab nach Beendigung der Behandlung mit Fingolimod bei Multipler Sklerose

Multiple Sklerose: Wechsel des Medikaments kann helfen

07.11.2022 Forscher der Monash University haben das weltweit größte Register für Multiple Sklerose (MS) – die MSBase – für die Gewinnung von Erkenntnissen genutzt, die MS-Patienten bei der Auswahl der für sie am besten geeigneten Medikamente helfen sollen.

MS-Patienten müssen oft das Medikament wechseln, um ihre Krankheit vollständig unter Kontrolle zu bringen. Diese Umstellungsentscheidungen sind kompliziert, denn bisher gab es keine guten Belege dafür, ein neues Medikament einem anderen vorzuziehen.

Unter der Leitung von Forschern der Gruppe für klinische Neuroimmunologie der Abteilung für Neurowissenschaften an der Monash University wurden in der Studie diese dringend benötigten Erkenntnisse gewonnen. Sie ermittelte die Krankheitsresultate für drei gängige Medikamente, auf die Menschen umsteigen, nachdem sie das beliebte MS-Medikament Fingolimod aufgrund eines Krankheitsdurchbruchs oder von Nebenwirkungen abgesetzt haben. Die Ergebnisse werden es Menschen mit MS und ihren Behandlungsteams ermöglichen, evidenzbasierte Entscheidungen über die Medikation zu treffen.

Die im Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry veröffentlichte Studie ergab, dass die Zahl der Schübe bei Patienten mit der häufigsten Form von MS (schubförmig-remittierend) gut kontrolliert werden konnte und sich die Behinderung stabilisierte oder verbesserte, wenn die Patienten, die Fingolimod absetzten, entweder auf Ocrelizumab oder Natalizumab umgestellt wurden.

Der Erstautor und Biostatistiker Dr. Chao Zhu wandte bei der Analyse einen ausgeklügelten statistischen Ansatz an, der es der Gruppe ermöglichte, zu ihren Ergebnissen zu gelangen.

Die Resultate

Ocrelizumab schnitt bei der Verringerung der annualisierten Rückfallrate am besten ab, gefolgt von Natalizumab und Cladribin. Natalizumab führte zu den meisten Verbesserungen bei der Behinderung, und die Patienten blieben am längsten auf Ocrelizumab.

  • Insgesamt wechselten 1.045 Patienten von Fingolimod zu Ocrelizumab (n=445), Cladribin (n=76) oder Natalizumab (n=524).
  • Die annualisierte Rückfallrate (ARR) für Ocrelizumab betrug 0,07, für Natalizumab 0,11 und für Cladribin 0,25.
  • Im Vergleich zu Natalizumab betrug das ARR-Verhältnis (95 % Konfidenzintervall [KI]) für Ocrelizumab 0,67 (0,47 bis 0,96) und für Cladribin 2,31 (1,30 bis 4,10); die Hazard Ratio (95 % KI) für die Zeit bis zum ersten Rückfall betrug 0,57 (0,40 bis 0,83) für Ocrelizumab und 1,18 (0,47 bis 2,93) für Cladribin.
  • Ocrelizumab-Anwender hatten eine um 89 % niedrigere Abbruchrate (95 % CI: 0,07 bis 0,20) als Natalizumab, aber auch eine um 51 % niedrigere Wahrscheinlichkeit einer bestätigten Verbesserung der Behinderung (95 % CI: 0,32 bis 0,73).
  • Bei der Akkumulation von Beeinträchtigungen gab es keinen Unterschied.

In der nächsten Phase der Forschung soll die Sicherheit der drei Medikamente im Vergleich zu Fingolimod bewertet werden. Dies ist für das Verständnis des klinischen Gesamtnutzens von entscheidender Bedeutung und wird den Fachärzten weitere Anhaltspunkte für die Behandlung der Patienten liefern.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry (2022). DOI: 10.1136/jnnp-2022-330104

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