Nikotinabhängigkeit: Kombinationsbehandlungen sind erfolgreicher

Nikotinersatztherapie, Medikamente und psychologische Unterstützung sind in Kombination erfolgreicher

09.02.2022 Trotz der Fortschritte im Bereich der öffentlichen Gesundheit bleibt der Tabakkonsum eines der häufigsten, vermeidbaren und kostspieligen Gesundheitsprobleme in den Vereinigten Staaten und weltweit.

In den USA sind mehr Todesfälle – schätzungsweise 480.000 pro Jahr – auf das Zigarettenrauchen zurückzuführen als auf jede andere vermeidbare Ursache. Die 34 Millionen Erwachsenen in den USA, die heute rauchen, könnten ihre Lebenserwartung im Durchschnitt um ein Jahrzehnt erhöhen, wenn sie mit dem Rauchen aufhören würden, und die meisten Raucher wollen aufhören.

Doch weniger als eine von drei Personen, die versuchen, von ihrer Nikotinabhängigkeit loszukommen, nutzen eine evidenzbasierte Behandlung, die sie dabei unterstützt.

Die Studie

In einer neuen klinischen in JAMA veröffentlichten Übersichtsarbeit fassen Forscher des Massachusetts General Hospital (MGH) und der Universität Oxford aktuelle Erkenntnisse zu diesem Thema zusammen und geben Ärzten und der Öffentlichkeit Hinweise auf die wirksamsten Behandlungen zur Unterstützung bei der sogenannten Raucherentwöhnung.

Medikamente und verhaltenstherapeutische Programme in Kombination wirksamer

Die Studie bestätigt, dass zugelassene Medikamente zum Nikotinentzug und verhaltenstherapeutische Programme jeweils wirksam sind, um Rauchern bei der Nikotinsucht zu helfen, aber sie sind effektiver, wenn sie zusammen eingesetzt werden.

Viele Menschen im Nikotinentzug unterschätzen, wie wertvoll die Unterstützung und Ermutigung durch einen Coach oder Berater auf diesem Weg ist, sagt Hauptautorin Dr. Nancy Rigotti vom Tobacco Research and Treatment Center (TRTC) am MGH. Viele Raucher haben aber keine Verhaltenstherapie in Anspruch genommen, obwohl sie sagen, dass sie schon alles versucht haben, um mit dem Rauchen aufzuhören.

Laut Mitautorin Gina Kruse haben Raucher heute viele Möglichkeiten, evidenzbasierte Verhaltensunterstützung in Anspruch zu nehmen. Dazu gehören kostenlose Telefon-Hotlines, Textnachrichten und internetbasierte Programme.

Nikotinersatztherapie: Zwei Produkte zusammen wirksamer

Bei der Analyse von Übersichten in der Cochrane Database of Systematic Reviews und anderen Quellen wie den Empfehlungen der U.S. Preventive Services Task Force fanden Rigotti und Kollegen heraus, dass neuere Formen der Verabreichung von FDA-zugelassenen Medikamenten zur Raucherentwöhnung deren Wirksamkeit erhöhen können.

So ist beispielsweise die Nikotinersatztherapie (NRT) wirksamer, wenn zwei Arten von Produkten zusammen statt einzeln verwendet werden. Bei der kombinierten Nikotinersatztherapie wenden Raucher ein Nikotinpflaster an, um den Nikotinentzug ganztägig zu erleichtern, und benutzen dann je nach Bedarf eine Nikotinlutschtablette, einen Kaugummi oder einen Inhalator, wenn das Verlangen nach einer Zigarette im Laufe des Tages wieder auftaucht, sagt Rigotti.

Bupropion und Vareniclin

Zusätzlich zur Nikotinersatztherapie sind zwei weitere von der FDA zugelassene Medikamente zur Raucherentwöhnung wirksam: Bupropion, das Entzugserscheinungen reduziert, und Vareniclin, das dasselbe bewirkt und die belohnenden Effekte des Rauchens dämpft.

Der Bericht bietet eine evidenzbasierte Orientierungshilfe für die Wahl zwischen den verschiedenen Medikamenten zur Behandlung der Nikotinabhängigkeit und kommt zu dem Ergebnis, dass Vareniclin oder eine kombinierte Nikotinersatztherapie die beiden wirksamsten Mittel sind.

Aber auch ein einzelnes NRT-Produkt oder Bupropion sind wirksam. Der Bericht befürwortet auch die Kombination verschiedener Arten dieser Medikamentenkategorien, wenn eines allein nicht erfolgreich ist. Insgesamt verdoppelt die Einnahme von Medikamenten die Erfolgschancen einer Person beim Nikotinentzug nahezu.

© arznei-news.de – Quellenangabe: JAMA (2022). DOI: 10.1001/jama.2022.0395

Weitere Infos / News zu diesem Thema:





Diese Informationen sind NICHT als Empfehlung für ein bestimmtes Medikament zu verstehen. Auch wenn diese Berichte, Studien, Erfahrungen hilfreich sein können, sind sie kein Ersatz für die Erfahrung und das Fachwissen von Ärzten.

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Aus Lesbarkeitsgründen bitte Punkt und Komma nicht vergessen (keine persönlichen Angaben - wie voller Name, Anschrift etc).