Nustendi bei Hypercholesterinämie / Dyslipidämie

Infos

Indikation / Anwendung / Krankheiten

Nustendi wird angewendet bei Erwachsenen mit primärer Hypercholesterinämie (heterozygot familiär und nicht-familiär) oder gemischter Dyslipidämie, adjuvant zu einer Diät:

  • in Kombination mit einem Statin bei Patienten, die LDL-C-Ziele mit der maximal verträglichen Statin-Dosis zusätzlich zu Ezetimib nicht erreichen,
  • als Monotherapie bei Patienten, die entweder eine Statin-Intoleranz aufweisen oder bei denen ein Statin kontraindiziert ist und die die LDL-C-Ziele mit Ezetimib allein nicht erreichen können,
  • bei Patienten, die bereits mit der Kombination aus Bempedosäure und Ezetimib als separate Tabletten mit oder ohne ein Statin behandelt werden.

News

EU: Primäre Hypercholesterinämie und gemischte Dyslipidämie – CHMP-Zulassungsempfehlung für Nustendi

31.01.2020 Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Zulassungsbehörde (CHMP) empfiehlt die Zulassung von Nustendi (aktive Substanzen sind Bempedoinsäure und Ezetimib) der Firma FGK Representative Service GmbH als 180 mg / 10 mg Filmtabletten für die Behandlung der primären Hypercholesterinämie und der gemischten Dyslipidämie.

Die aktiven Substanzen von Nustendi sind die lipidmodifizierenden Wirkstoffe Bempedoinsäure und Ezetimib (ATC-Code: C10AX15). Diese beiden Lipoprotein-(LDL-C)-senkenden Verbindungen mit niedriger Dichte haben komplementäre Wirkungsmechanismen. Bempedoinsäure reduziert LDL-C durch Hemmung der Cholesterinsynthese in der Leber, während Ezetimib die Cholesterinabsorption im Darm reduziert.

Der Nutzen von Nustendi liegt in dessen Fähigkeit, den Spiegel von LDL-C, aber auch von nicht-hochdichtem Lipoprotein-Cholesterin (Non-HDL-C), Apolipoprotein B (Apo B) und Gesamtcholesterin (TC) bei Patienten mit Hypercholesterinämie oder gemischter Dyslipidämie zu senken, wenn es allein und in Kombination mit anderen lipidmodifizierenden Arzneimitteln verabreicht wird. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Hyperuricämie und Verstopfung.

Die vollständige Indikation bei Zulassung wäre:

Nustendi ist bei Erwachsenen mit primärer Hypercholesterinämie (heterozygoter familiärer und nicht-familiärer) oder gemischter Dyslipidämie als Ergänzung zur Diät angezeigt:

  • in Kombination mit einem Statin bei Patienten, die die LDL-C-Ziele mit der maximal verträglichen Dosis eines Statins zusätzlich zu Ezetimib erreichen können,
  • als Monotherapie bei Patienten, die entweder Statine nicht vertragen oder für die ein Statin kontraindiziert ist und die mit Ezetimib allein keine LDL-C-Ziele erreichen können,
  • bei Patienten, die bereits mit der Kombination von Bempedoinsäure und Ezetimib als separate Tabletten mit oder ohne Statin behandelt werden.

© arznei-news.de – Quelle: EMA

Aus der Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels der Europäischen Kommission:

Wirkstoff / Wirkung / Wirkmechanismus / Wirkweise

Wirkmechanismus

Nustendi enthält Bempedosäure und Ezetimib, zwei LDL-C-senkende Substanzen mit komplementären Wirkmechanismen. Nustendi reduziert erhöhtes LDL-C mittels dualer Inhibition der Cholesterinsynthese in der Leber und der Cholesterinresorption im Darm.

Bempedosäure

Bempedosäure ist ein Inhibitor der Adenosintriphosphat-Citrat-Lyase (ACL), der das LDL-C senkt, indem die Cholesterinsynthese in der Leber gehemmt wird. ACL ist ein der 3-Hydroxy-3- Methylglutaryl-Coenzym A(HMG-CoA)-Reduktase vorgelagertes Enzym im Cholesterin-Biosyntheseweg. Bempedosäure erfordert eine Coenzym A(CoA)-Aktivierung durch ACSVL1 (Very-long-chain-Acyl-CoA-Synthetase 1) zu ETC-1002-CoA. ACSVL1 wird primär in der Leber und nicht in der Skelettmuskulatur exprimiert.

Die Hemmung von ACL durch ETC-1002-CoA führt zu einer verminderten Cholesterinsynthese in der Leber und reduziert das LDL-C im Blut durch die Hochregulierung der Rezeptoren für Lipoprotein geringer Dichte. Zusätzlich führt die Hemmung der ACL durch ETC-1002-CoA zu einer gleichzeitigen Suppression der Biosynthese von Fettsäuren in der Leber.

Ezetimib

Ezetimib reduziert den Blutcholesterinspiegel, indem es die Resorption von Cholesterin über den Dünndarm hemmt. Es wurde gezeigt, dass das molekulare Ziel von Ezetimib der Steroltransporter Niemann-Pick C1-Like 1 (NPC1L1) ist, der an der Aufnahme von Cholesterin und Phytosterolen im Darm beteiligt ist.

Ezetimib lagert sich am Bürstensaum des Dünndarms an und hemmt die Cholesterinresorption, was zu einem verminderten Transport von Cholesterin aus dem Darm in die Leber führt.

Gegenanzeigen / Kontraindikation

Nustendi darf nicht eingenommen werden,

  • wenn Sie allergisch gegen Bempedosäure, Ezetimib oder einen der in Abschnitt 6. genannten sonstigen Bestandteile dieses Arzneimittels sind;
  • wenn Sie schwanger sind;
  • wenn Sie stillen;
  • wenn Sie täglich mehr als 40 mg Simvastatin (ein anderes Arzneimittel zur Senkung des Cholesterins) einnehmen;
  • zusammen mit einem Statin, wenn Sie aktuell Leberprobleme haben.
  • Nustendi enthält Ezetimib. Wenn Nustendi zusammen mit einem Statin gegeben wird, sollten Sie außerdem die Informationen zu Ezetimib in der Packungsbeilage des jeweiligen Statins lesen.

Schwangerschaft / Stillen

Sie dürfen dieses Arzneimittel nicht einnehmen, wenn Sie schwanger sind, beabsichtigen, schwanger zu werden oder vermuten, schwanger zu sein, da die Möglichkeit besteht, dass dieses Arzneimittel das ungeborene Kind schädigen kann. Wenn Sie während der Einnahme dieses Arzneimittels schwanger werden, rufen Sie unverzüglich Ihren Arzt an und brechen Sie die Einnahme von Nustendi ab.

Schwangerschaft

Vor Beginn der Behandlung sollten Sie bestätigen, dass Sie nicht schwanger sind und eine wirksame Verhütungsmethode gemäß den Anweisungen Ihres Arztes anwenden. Wenn Sie Verhütungspillen anwenden und an Durchfall oder Erbrechen leiden, der/das länger als 2 Tage anhält, müssen Sie nach Abklingen der Symptome 7 Tage lang eine alternative Verhütungsmethode (z. B. Kondome, Diaphragma) anwenden.

Wenn Sie nach Beginn der Behandlung mit Nustendi entscheiden, dass Sie schwanger werden möchten, informieren Sie Ihren Arzt, da Ihre Behandlung geändert werden muss.

Stillzeit

Sie dürfen Nustendi nicht einnehmen, wenn Sie stillen, da nicht bekannt ist, ob Nustendi in die Muttermilch übergeht.

Wechselwirkungen

Einnahme von Nustendi zusammen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen, kürzlich andere Arzneimittel eingenommen haben oder beabsichtigen, andere Arzneimittel einzunehmen. Informieren Sie insbesondere Ihren Arzt, wenn Sie (ein) Arzneimittel einnehmen, das/die einen oder mehrere der folgenden Wirkstoffe enthält/enthalten:

  • Atorvastatin, Fluvastatin, Pitavastatin, Pravastatin, Rosuvastatin, Simvastatin (zur Senkung des Cholesterins und unter der Bezeichnung „Statine“ bekannt). Das Risiko einer Muskelerkrankung kann erhöht sein, wenn sowohl ein Statin als auch Nustendi eingenommen werden. Informieren Sie Ihren Arzt unverzüglich über alle ungeklärten Muskelschmerzen sowie jede ungeklärte Muskelempfindlichkeit oder Muskelschwäche.
  • Bosentan (wird zur Behandlung einer Erkrankung mit der Bezeichnung „pulmonale arterielle Hypertonie“ angewendet).
  • Fimasartan (wird zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzinsuffizienz angewendet).
  • Asunaprevir, Glecaprevir, Grazoprevir, Voxilaprevir (wird zur Behandlung von Hepatitis C angewendet).
  • Fenofibrat (wird ebenfalls zur Senkung des Cholesterins angewendet). Es liegen keine Informationen zu der Wirkung einer Anwendung von Nustendi in Kombination mit cholesterinsenkenden Arzneimitteln mit der Bezeichnung „Fibrate“ vor. Ciclosporin (wird häufig bei Organtransplantationspatienten angewendet).
  • Colestyramin (wird ebenfalls zur Senkung des Cholesterins angewendet), da es die Art und Weise beeinflusst, wie Ezetimib wirkt.
  • Arzneimittel zur Vorbeugung von Blutgerinnseln, wie z. B. Warfarin sowie Acenocoumarol, Fluindion und Phenprocoumon.

Nebenwirkungen / unerwünschte Wirkungen / Verträglichkeit

Wie alle Arzneimittel kann auch Nustendi Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.

Kontaktieren Sie unverzüglich Ihren Arzt, wenn bei Ihnen eine oder mehrere der folgenden
schwerwiegenden Nebenwirkungen auftreten (die Häufigkeiten sind nicht bekannt):

  • Muskelschmerzen oder -schwäche
  • gelbliche Haut und Augen, Bauchschmerzen, dunkler Urin, angeschwollene Fußknöchel, verminderter Appetit und Müdigkeitsgefühl; diese könnten Anzeichen für Leberprobleme sein
  • allergische Reaktionen einschließlich Ausschlag und Nesselsucht; roter erhabener Ausschlag, manchmal mit Zielscheibenförmigen Läsionen (Erythema multiforme)
  • Gallensteine oder Entzündung der Gallenblase (was zu Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen führen kann), Entzündung der Bauchspeicheldrüse, häufig mit starken Bauchschmerzen
  • verminderte Anzahl von Blutplättchen, was zu blauen Flecken/Blutungen führen kann (Thrombozytopenie)

Andere Nebenwirkungen können mit folgenden Häufigkeiten auftreten:

Häufig (kann bis zu 1 von 10 Behandelte betreffen)

  • verminderte Zahl roter Blutkörperchen (Anämie)
  • vermindertes Hämoglobin (ein Protein in roten Blutkörperchen, das Sauerstoff transportiert)
  • erhöhte Konzentrationen von Harnsäure im Blut, Gicht
  • verminderter Appetit
  • Schwindelgefühl, Kopfschmerzen
  • Bluthochdruck
  • Husten
  • Verstopfung, Durchfall, Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Mundtrockenheit
  • Abdominale Blähungen und Gas, Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis)
  • Ergebnisse in Bluttests, die auf Abnormalitäten der Leber hinweisen Muskelkrampf, Muskelschmerzen, Schmerzen in Schultern, Beinen oder Armen, Rückenschmerzen, Bluttest mit Hinweisen auf erhöhte Kreatinkinase (ein Labortest auf Muskelschäden), Muskelschwäche, Gelenkschmerzen (Arthralgie)
  • erhöhtes Kreatinin und erhöhte Blut-Harnstoff-Stickstoff-Werte (Labortest der Nierenfunktion)
  • ungewöhnliche Müdigkeit oder Schwäche

Gelegentlich (kann bis zu 1 von 100 Behandelte betreffen)

  • Hitzewallung
  • Schmerzen im oberen Teil des Magens, Sodbrennen, Verdauungsstörung
  • Juckreiz
  • Anschwellen von Beinen oder Händen
  • Nackenschmerzen, Brustschmerzen, Schmerzen
  • verringerte glomeruläre Filtrationsrate (eine Messgröße dafür, wie gut Ihre Nieren arbeiten)

Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)

  • kribbelndes Gefühl
  • Depression
  • Kurzatmigkeit

Arznei-News.de – Quellenangabe: Europäische Kommission – EPAR – 02.04.2020

EU: Hypercholesterinämie / Dyslipidämie – Die Europäische Kommission erteilt Nustendi die Zulassung

02.04.2020 Die Europäische Kommission hat am 31. März 2020 dem Medikament Nustendi (Wirkstoffe sind Bempedoinsäure und Ezetimib) der Firma FGK Representative Service GmbH die Zulassung für die Behandlung von Erwachsenen mit primärer Hypercholesterinämie (heterozygot familiär und nicht-familiär) oder gemischter Dyslipidämie, adjuvant zu einer Diät (hier die genaue Indikation) erteilt.
© arznei-news.de – Quelle: EC, 2020



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