Häufig bei Schizophrenie eingesetzte anticholinerge Medikamente mit größeren kognitiven Beeinträchtigungen verbunden

24.05.2021 Eine im American Journal of Psychiatry veröffentlichte Studie berichtet, dass Medikamente, die üblicherweise verschrieben werden, um die Schwere der körperlichen und psychischen Symptome im Zusammenhang mit Schizophrenie zu reduzieren, einen zusätzlichen Effekt haben können, der die kognitiven Funktionen der Patienten verschlechtert.

Psychotrope Medikamente (Psychopharmaka) sind oft notwendig und nützlich, aber sie besitzen andere sekundäre Eigenschaften, die nicht direkt mit der Reduzierung der Symptome zusammenhängen, einschließlich anticholinerger Eigenschaften. Das heißt, abgesehen von ihren eigentlichen beabsichtigten Wirkungen, hemmen sie auch Acetylcholin – einen Neurotransmitter, der für die Signalübertragung im Gehirn und für eine Reihe anderer Körperfunktionen wichtig ist.

Abgesehen von Schizophrenie werden Medikamente mit anticholinergen Eigenschaften zur Behandlung einer Reihe von Erkrankungen eingesetzt, darunter Harninkontinenz, chronisch obstruktive Lungenerkrankung und einige Muskelerkrankungen.

Anticholinerger kognitiver Belastungswert (ACB)

Die Forscher werteten medizinische Daten aus Krankenakten (einschließlich der verschriebenen Medikamente) von 1.120 Studienteilnehmern mit Schizophrenie aus. Sie fanden heraus, dass 63 Prozent der Patienten einen anticholinergen kognitiven Belastungswert (ACB) von mindestens 3 aufwiesen.

Dies ist bemerkenswert, weil frühere Studien gezeigt haben, dass ein ACB-Score von 3 bei einem gesunden, älteren Erwachsenen mit kognitiver Dysfunktion und einem 50 Prozent erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Demenz verbunden ist, sagt Studienautor Dr. Yash Joshi von der UC San Diego School of Medicine.

Bemerkenswert ist, dass etwa ein Viertel der Schizophrenie-Patienten in der Studie ACB-Scores von 6 oder mehr hatten.

Die Autoren schreiben, dass solche Werte zwar für Personen, die ohne psychiatrische Erkrankung leben, hoch sein mögen, dass sie aber bei Patienten, die eine psychiatrische Routineversorgung erhalten, die oft Medikamente mit anticholinergen Eigenschaften umfasst, nicht schwer zu erreichen sind.

Behandlungsbeispiel

Ein Patient, dem täglich Olanzapin gegen Psychose-Symptome verschrieben wird, beginnt beispielsweise bereits mit einem ACB-Score von 3; wird bei demselben Patienten Hydroxyzin gegen Angstzustände und Schlaflosigkeit hinzugefügt, verdoppelt sich der ACB-Score. Viele Patienten mit Schizophrenie werden mit mehreren Psychopharmaka behandelt – weitere Medikamente für andere gesundheitliche Probleme könnten diese Belastung weiter erhöhen.

Die Autoren sagen, dass ACB in Betracht gezogen werden sollte, wenn Ärzte Medikamente für Patienten mit Schizophrenie verschreiben. Neue Daten wiesen darauf hin, dass eine Reduzierung der anticholinergen Belastung nicht nur mit einem kognitiven Nutzen, sondern auch mit einer verbesserten Lebensqualität verbunden ist.
© arznei-news.de – Quellenangabe: American Journal of Psychiatry (2021). DOI: 10.1176/appi.ajp.2020.20081212.





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