Studie: Ketamin bei Suizidgedanken

Wirksamkeit von Ketamin bei der akuten Behandlung von schweren Suizidgedanken

03.02.2022 Ketamin ist eine schnell wirkende, effiziente Behandlung für Patienten, die wegen schwerer Suizidgedanken ins Krankenhaus aufgenommen werden laut dem Ergebnis einer klinischen in The BMJ veröffentlichten Studie.

Danach können einige Patienten mit schweren Suizidgedanken, insbesondere solche mit bipolarer Störung, von Ketamin profitieren, da die derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten begrenzt sind, so die Forscher.

Ketamin

Ketamin ist ein starkes und schnell wirkendes Beruhigungsmittel, das Schmerzen schnell und ohne Bewusstseinsverlust ausschaltet. Es ist als Narkosemittel zugelassen, gilt aber auch als vielversprechendes Mittel zur raschen Reduzierung von Suizidgedanken.

Aufgrund der mangelhaften Qualität der Studien besteht jedoch eine zu große Ungewissheit über das Verhältnis von Nutzen und Risiken in dieser Situation, als dass klinisch nützliche Erkenntnisse gewonnen werden könnten.

Die Studie

Um dieses Problem zu klären, untersuchten die Forscher die antisuizidale Wirkung von Ketamin über einen Zeitraum von sechs Wochen bei 156 Patienten (ab 18 Jahren), die zwischen April 2015 und März 2019 freiwillig mit schweren Suizidgedanken in ein französisches Krankenhaus aufgenommen wurden.

Vor Beginn der Studie wurden die Patienten einer gründlichen klinischen Untersuchung unterzogen und in drei Diagnosegruppen eingeteilt: bipolare Störung, depressive Störung oder andere psychiatrische Störungen.

Die Patienten erhielten nach dem Zufallsprinzip zwei 40-minütige intravenöse Infusionen mit Ketamin oder Placebo (Kochsalzlösung) über 24 Stunden, zusätzlich zu ihrer üblichen Behandlung.

Anschließend bewerteten die Forscher den Anteil der Patienten, die am dritten Tag eine vollständige Remission ihrer Suizidalität erreicht hatten, was durch eine Punktzahl von 3 oder weniger auf einer vom Arzt bewerteten Skala für Suizidgedanken (SSI) bestätigt wurde, die auf 19 mit 0 bis 2 bewerteten Items basiert (maximale Punktzahl 38).

Linderung der Suizidgedanken

Mehr der mit Ketamin behandelten Patienten hatten am dritten Tag keine Suizidgedanken mehr als bei den mit Placebo behandelten Patienten (63 % der Patienten in der Ketamingruppe im Vergleich zu 32 % in der Placebogruppe).

Alle Nebenwirkungen wurden als geringfügig eingestuft und gingen zwischen der ersten Bewertung und Tag 4 deutlich zurück.

In der Ketamingruppe starb ein Patient durch Selbstmord, obwohl der Überwachungsausschuss feststellte, dass dies nicht mit der Intervention zusammenhing.

Diese Ergebnisse blieben auch nach Bereinigung um andere potenziell einflussreiche Faktoren unverändert.

Wirkung von Ketamin war bei Patienten mit bipolarer Störung am größten

Die Wirkung von Ketamin war bei Patienten mit bipolarer Störung am größten, während bei Patienten mit schweren Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen kein nennenswerter Nutzen festgestellt wurde. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, da diese Daten von einer sehr kleinen Anzahl von Teilnehmern stammen, schreiben die Forscher.

Ketamin lindert psychische Schmerzen

Ketamin schien auch psychische Schmerzen zu lindern, und die Forscher vermuten, dass diese schmerzlindernde Wirkung den Nutzen von Ketamin bei der Verringerung von Suizidgedanken erklären könnte.

Ketamin war jedoch in den Wochen 4 und 6 nicht wirksam.

Es handelte sich um eine relativ große, gut konzipierte Studie, aber die Forscher räumen einige Einschränkungen ein und betonen, dass das rasche Verschwinden der Suizidgedanken nach der Behandlung mit Ketamin nicht gleichbedeutend ist mit einem geringeren Risiko von Suizidhandlungen, insbesondere nach der Entlassung aus dem Krankenhaus.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Ketamin bei der Akutbehandlung von suizidgefährdeten Patienten im Krankenhaus schnell, sicher und kurzfristig wirksam ist, schreiben sie. Sie betonen jedoch, dass es sich bei Ketamin um ein Medikament handelt, das missbraucht werden kann, und weisen darauf hin, dass eine längere Nachbeobachtung größerer Stichproben erforderlich ist, um die Auswirkungen auf suizidales Verhalten und langfristige Risiken zu untersuchen.

© arznei-news.de – Quellenangabe: BMJ (2022). DOI: 10.1136/bmj-2021-067194

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