ADHS Medikamente – Erfahrungen, Erfahrungsberichte

Erfahrungen, Erfahrungsberichte zu: ADHS Medikamente


Miri sagte am 22.02.2021:
Ich bin Mitte 40, w, erst seit ca 2 Jahren mit ADHS “diagnostiziert”. Lebenslauf kreativ, chaotisch, fröhlich, künstlerisch, verpeilt und ja, Klischee oft unpünktlich, Leben “unterhalb meiner (angeblichen), Möglichkeiten”, häufigere Wechsel trotz Wunsch nach Kontinuität, relativ typisch für den Hyper bzw Misch-Typus.

Surfing my Life würde ich es im Rückblick nennen.
Und eben auch mit den Schwierigkeiten. Oft habe ich erlebt, dass ich zwar begeisterte Ideen für eine Sache habe, mich aber andere “überholen”, wel sieTexte konzentriert auf Abruf lesen können und an einem Thema am Ball bleiben können. Ich nicht, nur gerade so und auf den letzten Drücker. Und dann noch die emotionalen Wutattacken…

Das minderte die letzten Jahre massiv mein Selbstwertgefühl und ich begann mich zurückzuziehen.

Corona ist auch für mich schwierig.
Die fehlenden äußeren Impulsgeber und Abwechslungen, so wie die fehlende Rückkopplung der Umwelt haben mein Choas (Wohnung, Papierkram, etc) unglaublich anwachsen lassen.

Trotz großer Skepsis beschloss ich es nun doch einmal mit Medikamenten zu versuchen. Im Sommer letzten Jahres war Ritalin, 10mg, also niedrigste Dosis. Ich wurde sofort sehr müde und nach ca 2 Wochen weinerlich, verstimmt, leicht depressiv, hatte das Gefühl, dass mir das Medikament die Freude genommen hatte. Habe es wieder abgesetzt.

Ärztin schlug Atomoxetin vor, auch erstmal 10mg. Die ersten 2-3Tage hatte ich ganz leichte, latente Kopfschmerzen, das ging dann weg. Mein schier unstillbarer Hunger wurde weniger, was ich als angenehm empfand. Nach ca. 1 Woche wurde ich zunehmend schwermütiger, verlangsamter, auf eine sehr unangenehme Weise. Ich bekam noch weniger hin, empfand gar keine Freude mehr, brauchte auch für kleinere Handlungen wie Tee kochen unendlich viel nachdenken im Vorfeld. Hinzu kam eine Weinerlichkeit, nicht so traurig wie bei Ritalin, dafür aber unendlich gleichgültig. Ich empfand das wie ein Gefühlskorsett.

Ärztin schlug höhere Dosis vor.
Ich habe nach längerer Recherche und viel Rücksprache mit anderen aus einer ADHS Gruppe beschlossen es abzusetzen. Bei 10 mg und erst 2 Wochen Einnahme war ( bei mir) auch kein Ausschleichen nötig. Schon einen Tag später fühlte ich mich besser, nach 3 Tage wieder deutlich energetischer und fröhlicher. Die Weinerlichkeit ist weg.

Ich schreibe das, um Menschen Mut zu machen auf ihre inneren Wahrnehmungen zu vertrauen und zu hören, auch gegen den Willen des Arztes.
Vertraut auch den Wahrnehmungen eurer Kinder , sprecht mit ihnen und nehmt war, wie sie sich wirklich fühlen.

Ich kenne Leute, die sehr gut auf Medikamente eingestellt sind, für die es eine große Hilfe ist. Allerdings meist mit Methyphenidat.

Bei Atomoxetin haben 2/3 der Leute gesagt, dass sie es nicht vertragen haben, ähnlich wie ich mit depressiven Verstimmungen, Motivationslosigkeit, z.T. zusätzlich mit Schlafstörungen. Eine Person, die an ständiger Reizüberflutung litt hat es geholfen, da weniger Input ankam.

Ich habe das lange Intro geschrieben um klar zu machen: ADHS/ADS ist KEINE Krankheit!!! sondern eine Art des Seins mit vielen Vorteilen, aber auch Nachteile.
Man kann, muss aber nicht mit Medikamenten da rangehen.

Neurodiversität!
Die Gesellschaft und die Umgebung wäre gefragt sich mit zu verändern, offener zu werden. Z.B. Schulen mit geeigneter Lernumgebung zu schaffen.

Ich stehe noch am Anfang, aber allein ein Verständnis meiner Art des Denkens, Lernens, meiner inneren Motivationsstruktur bewirkt schon etwas. Körperübungen, Entspannungsübungen, Sport, rechts-links-Koordination, externe Hilfe für gewisse Aufgaben (Putzen, Dokumente) etx. Sich Strategien erarbeiten, mit Hilfe anderer, sich belohnen!!!

Ich hatte sehr gehofft dass mir Medikamente helfen “normaler” zu sein. Gelernt habe ich stattdessen, dass ich mir anderweitig Unterstützung hole und meine spontane Kreativität trotz all dem Chaos auch ein Schatz sein kann.


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Diese Informationen sind NICHT als Empfehlung für ein bestimmtes Medikament zu verstehen. Auch wenn diese Berichte, Studien, Erfahrungen hilfreich sein können, sind sie kein Ersatz für die Erfahrung und das Fachwissen von Ärzten.

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