Antidepressiva und das Gehirn

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Eine einzelne Dosis eines Antidepressivums verändert das Gehirn

19.09.2014 Eine einzelne Dosis eines SSRI-Antidepressivums reicht, um dramatische Veränderungen in der funktionellen Architektur des menschlichen Gehirns hervorzurufen.

Veränderung der Konnektivität

Gehirnscans vor und nach einer akuten Dosis eines häufig verschriebenen SSRIs (selective serotonin reuptake inhibitor – Selektiver Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer) offenbarten Veränderungen in der Konnektivität innerhalb von drei Stunden, sagten die Forscher.

„Wir erwarteten nicht, dass der selektive Wiederaufnahmehemmer solch eine auffällige Wirkung in so kurzer Zeit hat oder das entstehende Signal das gesamte Gehirn erfassen würde“, sagt Julia Sacher vom Max Planck Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften.

Während SSRI zu den weltweit am häufigsten eingesetzten und verschriebenen Antidepressiva gehören, ist immer noch nicht ganz klar, wie sie funktionieren. Man glaubt, dass die Medikamente die Gehirnkonnektivität auf wesentliche Weise ändern, aber dass es Wochen und nicht Stunden dauert bis Veränderungen stattfinden.

Gehirnveränderungen finden sofort statt

Die neuen Befunde zeigen, dass die Veränderungen sofort stattfinden. Sacher sagt, dass das, was sie bei medikamentenfreien Probanden sahen, die nie Antidepressiva genommen hatten, ein früher Marker einer Gehirnreorganisation sein könnte.

Die Studienteilnehmer ließen ihre Gedanken etwa 15 Minuten wandern, während sie in einem Gehirnscanner lagen, der die Oxygenierung (Anreicherung mit Sauerstoff) des Blutflusses im Gehirn maß. Die Forscher charakterisierten dreidimensionale Abbildungen des Gehirns jeder Person durch die Messung der Anzahl der Verbindungen zwischen kleinen Blöcken – Voxeln (vergleichbar mit Pixeln in einer Abbildung – bloß dreidimensional) – und der Veränderung in den Verbindungen durch eine Einzeldosis Escitalopram (Handelsname Cipralex).

Die Gehirnnetzwerkanalyse zeigte, dass eine einzelne Dosis des Serotonin-Wiederaufnahmehemmers den Level der inneren Konnektivität in den meisten Teilen des Gehirns reduzierte. Jedoch beobachteten Sacher und ihre Kollegen eine Zunahme der Konnektivität innerhalb zweier Gehirnregionen, dem Kleinhirn und dem Thalamus.

Auswirkung auf Behandlung

Die Forscher sagen, dass die neuen Befunde einen essentiellen ersten Schritt in Richtung klinischer Studien bei Patienten mit Depression darstellen. Sie beabsichtigen auch, die funktionelle Konnektivitätssignatur des Gehirns von genesenden Patienten mit der von Patienten zu vergleichen, die selbst nach Wochen keine Reaktion auf den Wiederaufnahmehemmer zeigen.

Wenn wir diese Unterschiede – warum reagiert der eine auf das SSRI (Escitalopram) und der andere nicht – verstehen, können wir besser voraussagen, wer eher auf den einen oder einen anderen Antidepressiva-Typ ansprechen wird, sagte Sacher im Journal Current Biology. „Wir haben die Hoffnung, dass unsere Arbeit letztlich hilft, bessere Behandlungsentscheidungen zu treffen und individualisierte Therapien für Patienten zu schneidern, die unter Depressionen leiden.“

© arznei-news.de – Quelle: Current Biology / Max Planck Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, September 2014

Gehirnscans zeigen, wie gut Depressionen auf antidepressive Behandlungen ansprechen

21.02.2019 Eine in Translational Psychiatry publizierte Forschungsarbeit zeigt, dass die Aktivität einer Region des Vorderhirns den möglichen Erfolg einer Behandlung mit Antidepressiva anzeigt. Dieser Befund verspricht, die Behandlungszeit für depressive Patienten in Zukunft deutlich zu verkürzen, schreiben die Forscher.

In der kleinen Studie behandelte das Forscherteam um Bernhard M. Meyer von der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien 22 depressive Patienten über einen Zeitraum von acht Wochen mit dem Medikament Escitalopram. Dieses am häufigsten verschriebene Antidepressivum verursacht einen Anstieg des Serotonins im Neuron.

Im Laufe der Behandlung wurden vier hochauflösende, funktionelle MRT-Aufnahmen vom Gehirn durchgeführt.

Ansprechen auf Antidepressivum Escitalopram

Patienten, die eine ausreichend starke Aktivität des Vorderhirns hatten, sprachen auf die Behandlung mit Escitalopram an, während die Behandlung bei Patienten ohne Aktivierung dieser Gehirnregion erfolglos war, schreiben die Wissenschaftler.

Die Studie zeigte, dass diese Region des Gehirns die Wirkung des Antidepressivums auf emotionale Gehirnareale unterstützt und deren Aktivität eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Behandlung ist.

Die Aktivitäten der beobachteten Gehirnbereiche

Eine verstärkte Deaktivierung des anterioren medialen präfrontalen Cortex (amPFC, Single Neural Mediator) zeigte eine Depressionserholung, die mit dem MADRS-Score und der Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses korrelierte.

Starke dorsolaterale PFC (dlPFC) Aktivierung und schwache dlPFC-amPFC, dlPFC-posterior Gyrus cinguli (PCC), dlPFC-Parietal lobus (PL) Kopplung (drei prognostische Prädiktoren) deuteten auf eine Depressionserholung am Tag 0 und 1 hin.

Die Prognose des Voransprechens der kontinuierlichen (dlPFC-PL: R2 Tag 1 = 55,9%, P < 0,005) und dichotomen (Spezifität/Sensitivität: SP/SN Tag 1 = 0,91/0,82) Erholungen blieb nach einer Kreuzvalidierung ohne Unterbrechung signifikant.

Die Studie unterstreicht die Möglichkeit, mit neuen bildgebenden Verfahren des Gehirns den Erfolg einer Behandlung mit Antidepressiva vorherzusagen.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Translational Psychiatry (2019). DOI: 10.1038/s41398-019-0395-8

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