Auch unter Statinen können hohe Triglyceridwerte das Risiko für 2. Schlaganfall erhöhen

Prognostische Rolle der Hypertriglyceridämie bei Patienten mit Schlaganfall atherothrombotischen Ursprungs

17.03.2022 Ein Schlaganfall kann viele Ursachen haben. Ein atherothrombotischer Schlaganfall wird durch ein Gerinnsel aus Plaques verursacht, die sich in den Blutgefäßen des Gehirns ablagern.

Eine neue Studie deutet darauf hin, dass Menschen mit dieser Art von Schlaganfall, die auch einen höheren Gehalt an Triglyceriden in ihrem Blut haben, ein Jahr später ein höheres Risiko für einen weiteren Schlaganfall oder andere kardiovaskuläre Probleme haben als Menschen mit einem Schlaganfall und einem niedrigeren Triglyceridspiegel.

Die Forschungsergebnisse wurden in Neurology veröffentlicht. Die Studie fand einen Zusammenhang auch dann, wenn die Teilnehmer Statin-Medikamente einnahmen, die die Triglyceride senken und vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen sollen.

Es wird angenommen, dass erhöhte Triglyceridwerte zur Verhärtung der Arterien und zu einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Herzerkrankungen und Schlaganfall beitragen.

„Unsere Studie deutet darauf hin, dass bei Menschen, die einen atherothrombotischen Schlaganfall erlitten haben, erhöhte Triglyceridwerte im Blut ein Risikofaktor für einen weiteren Schlaganfall oder andere kardiovaskuläre Probleme in der Zukunft sind, und zwar auch dann, wenn die Betroffenen eine Statintherapie erhalten“, so Studienautor Dr. Takao Hoshino von der Tokyo Women’s Medical University in Japan. „Die gute Nachricht ist, dass Statin-Medikamente nur eine Therapie für hohe Triglyceride sind – Ernährung und Bewegung können ebenfalls wirksame Wege sein, um die Werte im Blut zu senken, und das zu geringen oder gar keinen Kosten.“

Die Studie untersuchte 870 Personen, die einen Schlaganfall oder eine transitorische ischämische Attacke erlitten hatten. Ihr Durchschnittsalter lag bei 70 Jahren. Von diesen hatten 217, also 25 %, erhöhte Triglyceridwerte, definiert als Nüchtern-Triglyceridwerte von 150 Milligramm pro Deziliter oder mehr.

Die Forscher untersuchten die Teilnehmer ein Jahr später, um herauszufinden, ob es einen Zusammenhang zwischen hohen Triglyceridwerten und einem weiteren Schlaganfall, einem akuten Koronarsyndrom, d. h. einem Zustand, der durch eine plötzliche Verringerung des Blutflusses zum Herzen verursacht wird, oder einem Tod aufgrund vaskulärer Ursachen gab.

Schlaganfall- und Herzerkrankungsrisiko

Nach Berücksichtigung von Faktoren wie Cholesterinspiegel und Einnahme von Statinen stellten die Forscher fest, dass Personen mit hohen Triglyceridwerten ein um 21 % höheres Risiko hatten, nach einem Jahr einen Schlaganfall oder eine Herzerkrankung zu erleiden, verglichen mit einem um 10 % höheren Risiko für Personen mit niedrigeren Werten.

Als die Forscher speziell die Personen untersuchten, die nach einem atherothrombotischen Schlaganfall einen weiteren Schlaganfall erlitten, stellten sie fest, dass 14 von 114 Personen mit normalen Triglyceridwerten bzw. 12 % während der Studie einen Schlaganfall erlitten, verglichen mit 33 von 217 Personen bzw. 16 % bei denjenigen mit erhöhten Werten.

Was das akute Koronarsyndrom betrifft, so entwickelte eine von 114 Personen oder 0,9 % mit normalen Triglyceridwerten die Herzerkrankung ein Jahr nach einem atherothrombotischen Schlaganfall, verglichen mit fünf von 60 oder 8 % der Personen mit erhöhten Werten.

Hoshino merkt an, dass die Studie keinen Zusammenhang zwischen höheren Triglyceridwerten und zukünftigen kardiovaskulären Problemen bei Menschen mit einem kardioembolischen Schlaganfall gefunden hat.

„Weitere Untersuchungen sind erforderlich, aber bei Menschen, die einen atherothrombotischen Schlaganfall erlitten haben, könnte sich der Triglyceridspiegel als wichtiges Ziel für die Prävention künftiger Schlaganfälle und anderer Herz-Kreislauf-Probleme erweisen“, so Hoshino. „Die Statintherapie ist nach wie vor eine wirksame Behandlung für Menschen mit hohen Triglyceridwerten, aber unsere Studie zeigt, wie wichtig es ist, alle Möglichkeiten zur Senkung der Triglyceride in Betracht zu ziehen, einschließlich Ernährungsumstellung, Bewegung und Einnahme von Omega-3-Fettsäuren.“

Die Studie belegt nicht, dass die Senkung hoher Triglyzeridwerte Menschen mit atherothrombotischen Schlaganfällen vor späteren Herz-Kreislauf-Problemen bewahrt; sie zeigt lediglich einen Zusammenhang auf.

Eine Einschränkung der Studie besteht darin, dass die Forscher nur die Nüchterntriglyzeridwerte der Teilnehmer berücksichtigten.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Neurology, 2022; DOI: 10.1212/WNL.0000000000200112

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