Ficlatuzumab bei akuter myeloischer Leukämie (AML)

Ficlatuzumab plus Chemotherapie zeigt vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung von Patienten mit rezidivierter/refraktärer akuter myeloischer Leukämie (AML)

16.07.2021 In ihrer Studie untersuchten Charalambos Andreadis von der University of California, San Francisco, und Kollegen die Sicherheit und Wirksamkeit des experimentellen Medikaments Ficlatuzumab in Kombination mit einer Chemotherapie bei Patienten mit rezidivierter/refraktärer AML.

Der Wirkstoff Ficlatuzumab

Ficlatuzumab ist ein monoklonaler Antikörper, der den extrazellulären Hepatozyten-Wachstumsfaktor (HGF) bindet, um ihn daran zu hindern, den MET-Signalweg zu aktivieren und das Tumorwachstum zu stimulieren. Im Gegensatz zu den meisten existierenden zielgerichteten Krebstherapien zielt Ficlatuzumab auf einen extrazellulären Faktor und nicht auf eine krebsspezifische Mutation, bemerkte Andreadis und fügte hinzu, dass einige Patienten mit refraktärer AML höhere Spiegel von zirkulierendem HGF aufweisen.

Die Studie

An der klinischen Phase-I-Studie nahmen 17 erwachsene Patienten mit AML teil, die entweder refraktär auf eine vorherige Behandlung ansprachen oder innerhalb von 12 Monaten nach der vorherigen Behandlung einen Rückfall erlitten hatten. Die Patienten erhielten vier Dosen von Ficlatuzumab, die im Abstand von 14 Tagen verabreicht wurden, zusammen mit dem Chemotherapeutikum Cytarabin.

Ansprechen

Neun von 17 Patienten (53 Prozent) zeigten ein komplettes Ansprechen, und vier der ansprechenden Patienten hatten keine Anzeichen einer minimalen Resterkrankung. Bei den ansprechenden Patienten betrug das progressionsfreie Überleben 31,2 Monate, und das Gesamtüberleben wurde nicht erreicht. Zehn Patienten (acht Responder und zwei Non-Responder) wurden einer allogenen hämatopoetischen Zelltransplantation zugeführt; sechs dieser Patienten blieben bei der letzten Nachuntersuchung in Remission.

Wirkweise

Um molekulare Veränderungen im Zusammenhang mit dem Ansprechen auf die Behandlung zu identifizieren, analysierten Andreadis und Kollegen periphere mononukleäre Blutzellen, die zu Beginn der Behandlung und zu verschiedenen Zeitpunkten nach Behandlungsbeginn gesammelt wurden.

Sie fanden heraus, dass die Behandlung mit Ficlatuzumab zu einer verminderten Phosphorylierung von MET, dem Rezeptor für HGF, führte und damit eine gezielte Hemmung von HGF bestätigte.

Das klinische Ansprechen auf die Ficlatuzumab-Behandlung war mit einer verringerten Phosphorylierung des S6-Proteins und einer erhöhten Expression von Genen verbunden, die an der myeloischen und Leukozyten-Aktivierung beteiligt sind, während Patienten, die nicht auf die Behandlung ansprachen, eher eine erhöhte Expression von HGF, eine erhöhte Phosphorylierung von S6 und eine Expression von Genen aufwiesen, die an der Protein-Translation, der Zelladhäsion und der Typ-I-Interferon-Signalisierung beteiligt sind.

Sicherheit

Das häufigste unerwünschte Ereignis war eine febrile Neutropenie. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten bei zwei Patienten auf, und es gab einen Todesfall, der nicht mit der Studienbehandlung zusammenhing, schreiben die Autoren.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Blood Cancer Discovery

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