Paracetamol: Autismus und ADHS

Zusammenhang zwischen ADHS und Paracetamol-Einnahme in Schwangerschaft

03.03.2014 Laut einer neuen Studie scheint in der Schwangerschaft eingenommenes Paracetamol mit Verhaltensstörungen (wie ADHS) bei Kindern in Zusammenhang zu stehen.

Forscher der Universität von Aarhus in Dänemark untersuchten die Daten von 64.322 Kindern und Müttern in einer Langzeitstudie und entdeckten, dass, wenn Paracetamol während der Schwangerschaft eingenommen wurde, dies mit einem höheren Risiko für die Entwicklung von ADHS bzw. hyperkinetischen Störungen verbunden war.

Die Befunde:

Mehr als die Hälfte der Mütter berichteten, das Medikament in der Schwangerschaft eingenommen zu haben.

Kinder dieser Mütter hatten ein 13% bis 37% höheres Risiko

  • für die Diagnose einer hyperkinetischen Störung,
  • ADHS-Medikamente verschrieben zu bekommen oder
  • im Alter von sieben Jahren ein ADHS-ähnliches Verhalten zu zeigen.

Je länger Paracetamol eingenommen wurde – das galt für das 2. und 3. Trimester – desto stärker war die Verbindung.

Das Risiko für ADHS bei den Kindern war um mindestens 50% höher, wenn die Mutter das Schmerzmittel für mehr als 20 Wochen in der Schwangerschaft eingenommen hatte.

Paracetamol kann fötale Gehirnentwicklung beeinflussen

In Tierstudien hat sich gezeigt, dass das Medikament Hormone beeinflusst, und eine anormale hormonelle Exposition in der Schwangerschaft kann auf die fötale Gehirnentwicklung wirken, sagte Studienautorin Beate Ritz.

„Paracetamol kann die Plazentabarriere passieren, bemerkte Ritz, und es sei plausibel, dass das Medikament die fötale Gehirnentwicklung durch die Wechselwirkung mit den mütterlichen Hormonen oder durch Neurotoxizität beeinträchtigen kann: etwa durch oxidativen Stress, der das Absterben von Neuronen verursachen kann.“

Die Wissenschaftler brauchen weitere Forschungsstudien, um diese Befunde zu überprüfen. Aber, wenn diese Ergebnisse einen kausalen Zusammenhang bedeuten, dann sollte Paracetamol für den Gebrauch in der Schwangerschaft nicht mehr als ’sicheres‘ Medikament betrachtet werden, sagten die Forscher.

Quelle: Universität von Aarhus/University of California, JAMA Pediatrics, Feb. 2014

Mütterliche Einnahme von Acetaminophen / Paracetamol in Verbindung mit ADHS bei Nachwuchs

31.10.2017 Mütter, die Paracetamol in der Schwangerschaft einnehmen, haben laut einer in Pediatrics veröffentlichten Studie ein erhöhtes Risiko für Nachwuchs mit Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS).

Dr. Eivind Ystrom vom norwegischen Institut für öffentliche Gesundheit in Oslo und Kollegen untersuchten den Zusammenhang der mütterlichen Einnahme von Paracetamol (auch Acetaminophen genannt) während der Schwangerschaft und der väterlichen Einnahme vor der Schwangerschaft mit dem Auftreten von ADHS beim Nachwuchs. Für 112.973 Kinder aus der norwegischen Mutter-Kind-Kohorten-Studie wurden die Diagnosen erhoben; 2.246 bekamen eine ADHS-Diagnose.

Die Forscher ermittelten eine mittelstarke Verbindung zwischen dem pränatalen mütterlichen Gebrauch des Medikaments in

  • einem Trimester (Hazard Ratio [HR], 1,07; 95 Prozent Konfidenzintervall [CI], 0,96 bis 1,19),
  • zwei (HR, 1,22; 95 Prozent CI, 1,07 bis 1,38) und
  • drei Trimestern (HR, 1,27; 95 Prozent CI, 0,99 bis 1,63)

nach der Anpassung der mütterlichen Verwendung des Medikaments vor der Schwangerschaft, familiärem Risiko für ADHS und Paracetamol-Indikationen.

Die HR betrug 2,2 (also eine Erhöhung des Risikos um 220%) für die mütterliche Paracetamol-Nutzung bei mehr als 28 Tagen (95 Prozent CI, 1,5 bis 3,24).

Es gab eine negative Wechselbeziehung mit ADHS beim Gebrauch des Medikaments von weniger als acht Tagen (HR, 0,9; 95 Prozent CI, 0,81 bis 1).

Es gab einen Zusammenhang zwischen ADHS und Paracetamol-Nutzung aufgrund von Fieber und Infektionen bei 22 bis 28 Tagen (HR, 6,15; 95 Prozent CI, 1,71 bis 22,05). Mütterlicher und väterlicher Paracetamol-Gebrauch waren ähnlich mit ADHS verbunden.

Langfristige mütterliche Anwendung von Paracetamol während der Schwangerschaft war im Wesentlichen mit ADHS verbunden, selbst nach der Berücksichtigung der Indikationen des Gebrauchs, des familiären Risikos von ADHS und anderer möglicher Störfaktoren, schreiben die Autoren.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Norwegian Institute of Public Health; Pediatrics – DOI: 10.1542/peds.2016-3840; Okt. 2017

Paracetamol in der Schwangerschaft: Höheres Risiko für Autismus und ADHS beim Kind

30.10.2019 Die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft kann das Risiko eines Kindes für Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörungen und Autismus-Spektrum-Störungen erhöhen laut einer in JAMA Psychiatry veröffentlichten Studie.

Die Forscher um Yuelong Ji von der Johns Hopkins University analysierten Daten aus der Boston Birth Cohort, einer Langzeitstudie über Faktoren, die die Schwangerschaft und die Entwicklung des Kindes beeinflussen. Sie sammelten Nabelschnurblut von 996 Geburten und maßen die Menge an Paracetamol und zwei seiner Nebenprodukte in jeder Probe.

Als die Kinder durchschnittlich 8,9 Jahre alt waren, wurden 25,8% mit ADHS diagnostiziert, 6,6% mit einer Autismus-Spektrum-Störung und 4,2% mit ADHS plus Autismus.

Risiken für ADHS und Autismus

Die Forscher klassifizierten die Menge an Paracetamol und seinen Nebenprodukten in den Proben in Drittel, vom niedrigsten zum höchsten.

  • Im Vergleich zum untersten Drittel war das mittlere Drittel der Exposition mit einem etwa 2,26-fachen Risiko für ADHS verbunden.
  • Das höchste Drittel der Exposition war mit dem 2,86-fachen des Risikos verbunden.
  • Ebenso war das Autismus-Risiko für diejenigen im mittleren Drittel (2,14 mal) und im höchsten Drittel (3,62 mal) höher.

Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass ihre Ergebnisse frühere Studien unterstützen, die die Paracetamol-Exposition in der Gebärmutter mit ADHS und ASD verbinden, und unterstreichen den Bedarf an zusätzlicher Forschung. Die U.S. Food and Drug Administration fordert eine sorgfältige Prüfung, bevor man während der Schwangerschaft schmerzstillende Medikamente einnimmt.
© arznei-news.de – Quellenangabe: JAMA Psychiatry – doi:10.1001/jamapsychiatry.2019.3259





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