Depression und Opioide, Opioidsystem

Langfristige Opioid-Schmerzmitteleinnahme erhöht Depressionsrisiko

Opioid-Analgetika oder rezeptpflichtige Narkotika verringern Schmerzen, doch sie haben Nebenwirkungen und machen abhängig; nun ist auch ein Zusammenhang mit dem Risiko der Entwicklung einer Depression aufgetaucht.

Je länger, desto höher das Risiko

Forscher der Saint Louis Universität haben in einer Untersuchung mit 50.000 Patienten eine Verbindung zwischen chronischer Verwendung von Opioid-Schmerzmitteln und dem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Depression entdeckt. Die Teilnehmer hatten vorher noch nicht Opioid-Schmerzmittel verwendet oder eine Depression gehabt.

Laut den Befunden zeigten Patienten, die Opioide 180 Tage oder länger bekamen, ein 53 % erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer depressiven Episode; Patienten, die Opioide 90-180 Tage bekamen, hatten ein 25-prozentig erhöhtes Risiko, was mit dem Risiko bei Patienten vergleichbar war, die Opioide nie für länger als 1-89 Tage einnahmen.

Mechanismen unklar

Studienautor Jeffrey Scherrer sagt, dass es keine klaren Belege zu den Mechanismen gibt, durch die Opioide zur Entwicklung einer Depression bei einem Patienten beitragen können.

Er vermutet aber, dass Opiode das Belohnungssystem auf einen höheren Level setzen könnten, wodurch die erlebte Freude an natürlichen Dingen, wie z.B. am Essen oder an sexuellen Aktivitäten reduziert würde. Ein weiterer Faktor könnten die Nebenwirkungen sein.

Die Studie zeigt außerdem, dass, je höher die Opioid-Dosis ist, desto größer ist das Risiko einer Depression.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Saint Louis Universität – Jeffrey F. Scherrer, Okt. 2013

Verminderte Verfügbarkeit endogener Mu-Opioid-Rezeptoren bei subklinischer Depression und Angst

19.06.2020 Eine in Neuropsychopharmacology veröffentlichte Studie zeigt, wie Symptome von Depressivität und Angst mit Veränderungen der Hirnfunktion selbst bei gesunden Menschen zusammenhängen.

Forscher des nationalen PET-Zentrums Turku, Finnland, konnten zeigen, dass das Opioidsystem im Gehirn mit Stimmungsschwankungen bei Depression und Angst verbunden sind.

Depression und Angststörungen sind normalerweise mit einer verminderten Stimmung und verminderter Freude verbunden. Opioide regulieren die Gefühle von Schmerz und Vergnügen im Gehirn.

Die Befunde zeigen, dass je mehr depressive und ängstliche Symptome die Probanden hatten, desto weniger Opioidrezeptoren waren im Gehirn vorhanden.

Diese Rezeptoren funktionieren wie kleine „Docks“, die sowohl von den hirneigenen Opioiden als auch von Opiaten beeinflusst werden. Diese Art von Opioid-vermittelten Stimmungsänderungen kann ein wichtiger Mechanismus im Zentralnervensystem sein, sagt Studienautor Lauri Nummenmaa von der Universität Turku.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die auf eine Depression hinweisenden Stimmungsänderungen im Gehirn schon früh erkannt werden können. Sowohl die hirneigenen Opioide als auch synthetische Medikamente / Drogen auf Opiatbasis regulieren die Stimmung.

Vorhandensein von Mu-Opioid-Rezeptoren

Sowohl Angst- als auch Depressionswerte im subklinischen Bereich waren negativ mit der Verfügbarkeit von Mu-Opioid-Rezeptoren in kortikalen und subkortikalen Bereichen assoziiert, insbesondere in der Amygdala, im Hippocampus, im ventralen Striatum und in den orbitofrontalen und cingulären Cortexen.

Aufgrund der Ergebnisse können Medikamente, die auf das Opioidsystem wirken, bei der Behandlung von Depressionen helfen, fügt Nummenmaa hinzu.

Die Studie wurde mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) durchgeführt, an der insgesamt 135 Freiwillige als Probanden teilnahmen. Ihnen wurde eine geringe Dosis radioaktiven Tracers, der an die Opioidrezeptoren des Gehirns bindet, in den Blutkreislauf injiziert.

Der Zerfall der Tracer wurde mit einer PET-Kamera gemessen, während die depressiven und ängstlichen Symptome der Probanden mit Fragebögen erfasst wurden.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Neuropsychopharmacology – http://dx.doi.org/10.1038/s41386-020-0725-9





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