Erhöhen neuere Hormonmedikamente bei Prostatakrebs das Risiko für Depression?

Studie untersuchte Verbindung zwischen Antiandrogenen der zweiten Generation und Depressionen bei Patienten mit Prostatakrebs

19.01.2022 Fortgeschrittene Formen der Hormontherapie sind sehr wirksam, um Prostatakrebs unter Kontrolle zu halten, aber sie können auch das Risiko eines Mannes für die Entwicklung einer Depression verdoppeln laut einer in JAMA Network Open veröffentlichten Studie.

Erhöhtes Risiko für Auftreten von Depressionen

Prostatakrebspatienten, die mit den neuesten Formen von Hormonblockern behandelt wurden, hatten ein doppelt so hohes Risiko für die Erkrankung an einer Depressionen wie Männer, die mit älteren Hormonmedikamenten behandelt wurden, oder Patienten, die keine derartigen Medikamente erhielten.

Dieses Risiko sollten Krebsärzte im Auge behalten, wenn sie ihren Patienten diese Medikamente verschreiben, so der leitende Forscher Dr. Kevin Nead vom MD Anderson Cancer Center der Universität Texas in Houston.

Die Studie legt nicht nahe, dass Männer, die für diese Medikamente in Frage kommen, sie wegen des Depressionsrisikos nicht einnehmen sollten, sagte er. Sie zeigt aber, dass es Menschen gibt, von denen wir wissen, dass sie aufgrund ihrer Krebserkrankung bereits ein erhöhtes Risiko für Depressionen haben, sagt er.

Wenn ihnen diese Medikamente verabreicht werden, verdoppelt sich deren Risiko möglicherweise, und Depressionen bei Krebspatienten sind mit einer schlechteren Überlebensrate verbunden, so Nead.

Das sind Patienten, denen wir viel Aufmerksamkeit schenken müssen und bei denen wir frühzeitig eingreifen müssen, um Depressionen vorzubeugen oder sie zu behandeln, denn das wird sich auf das Gesamtergebnis auswirken, sagt er.

Prostatakrebs und Androgene

Prostatakrebs braucht männliche Hormone wie Testosteron, die auch als Androgene bezeichnet werden. Ärzte behandeln Prostatakrebs seit langem, indem sie Androgene zum Teil blockieren und so den Krebszellen den Brennstoff entziehen.

Inzwischen gibt es Anti-Androgen-Medikamente der zweiten Generation wie Abirateron und Apalutamid, die Testosteron noch besser blockieren als frühere Medikamente, so die Forscher.

Ein Mangel an Testosteron erhöht jedoch das Gesamtrisiko eines Mannes für Depressionen, unabhängig davon, ob er an Prostatakrebs erkrankt ist oder nicht.

Männer mit niedrigem Testosteronspiegel haben ein erhöhtes Risiko für Depressionen, sagte Nead. Wenn man Männern mit niedrigem Testosteronspiegel das Testosteron wieder zuführt, verbessert sich ihre Stimmung und das Risiko einer Depression sinkt.

Depressionen bei Prostatkrebspatienten

Krebspatienten haben ohnehin ein erhöhtes Risiko für Depressionen, da sie mit einer tödlichen Krankheit zu kämpfen haben. Schlimmer noch: Depressionen beeinträchtigen die Aussichten von Krebspatienten in der Regel erheblich.

Depressionen können auch das Interesse der Patienten an einer aggressiven Behandlung beeinträchtigen. Sie könnten sich auf den allgemeinen Gesundheitszustand auswirken und darauf, wie gut verschiedene Therapien vertragen werden, schreiben die Forscher. Depressionen könnten sich auf die Entscheidungen auswirken, ob man eine Krebsbehandlung fortsetzen möchte oder wie oft man den Arzt aufsucht.

Die Studie

Um herauszufinden, wie hoch das zusätzliche Depressionsrisiko bei den neueren Androgenblockern ist, analysierte Neads Team die Daten von fast 30.100 Prostatakrebspatienten.

Sie teilten die Männer in drei Gruppen ein: Patienten ohne Hormontherapie, Patienten, behandelt mit den etablierten Medikamenten behandelt, und diejenigen, die mit Antiandrogenen der zweiten Generation behandelt wurden.

Wenn man alle drei Gruppen betrachtet, hatten die Männer, die Antiandrogene der zweiten Generation erhielten, ein erhöhtes Risiko für Depressionen, so Nead.

Bessere Wirkung der neueren Medikamente

Das Risiko steigt wahrscheinlich deshalb so dramatisch an, weil die Medikamente der zweiten Generation so viel besser wirken.

Die älteren Medikamente senken den Testosteronspiegel zwar sehr gut, aber sie stoppen die Testosteronproduktion nur in der Hauptproduktionsstätte für Testosteron, den Hoden, erklären die Forscher.

In Wirklichkeit werden auch an anderen Stellen im Körper geringe Mengen an Androgenen produziert, die durch die herkömmliche Hormontherapie nicht abgestellt werden. So produziert beispielsweise die Nebenniere eine geringe Menge männlicher Hormone, ebenso wie Fettzellen.

Wenn man einen viel stärkeren Androgenrezeptor-Antagonisten einsetzt, wird er den Zellen, die ohnehin schon einen Mangel an Testosteron haben, noch mehr davon entziehen, schreiben die Wissenschaftler. Es ist keine große Überraschung, dass sich dadurch Stimmung und Depressionen verschlechtern können.

Die Wissenschaftler sind jedoch nicht der Ansicht, dass das Depressionsrisiko durch die neueren Medikamente ihren Nutzen für Prostatakrebspatienten überwiegt.

© arznei-news.de – Quellenangabe: JAMA Network Open (2021). DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.40803





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