Hirntumor: Arginin könnte Strahlentherapie effektiver machen

Die durch Arginin hervorgerufene metabolische Anpassung verstärkt die Wirkung der Bestrahlung von Hirnmetastasen

08.11.2021 Die Behandlung mit Arginin, einem der Aminosäurebausteine von Proteinen, verbesserte die Wirksamkeit der Strahlentherapie bei Krebspatienten mit Hirnmetastasen. Dies geht aus einer randomisierten klinischen Studie von Forschern des Weill Cornell Medicine and Angel H. Roffo Cancer Institute hervor.

Die in Science Advances veröffentlichte Studie berichtet über die Ergebnisse der Verabreichung von oralem Arginin vor einer Standard-Strahlentherapie bei 31 Patienten mit Hirnmetastasen.

Ansprechen der Hirntumoren

Bei fast 78 Prozent der Patienten kam es während der Nachbeobachtungszeit von bis zu vier Jahren zu einem vollständigen oder teilweisen Ansprechen ihrer Hirntumoren, während nur 22 Prozent der 32 Patienten, die vor der Strahlentherapie ein Placebo erhielten, eine solches Ansprechen zeigten.

Die Studie sollte die Wirksamkeit von Arginin als „Radiosensibilisator“ messen, der die Wirkung der Strahlenbehandlung verstärkt. Die Ergebnisse und der vermutete Wirkmechanismus von Arginin deuten jedoch darauf hin, dass die Aminosäure in einem breiteren Rahmen als Krebstherapie eingesetzt werden könnte.

Arginin unmittelbar vor Strahlentherapie

In der klinischen Studie wurden die Patienten eine Stunde vor der Strahlentherapie ihrer Hirnmetastasen – Tumoren im Gehirn, die sich von Primärtumoren an anderer Stelle, z. B. in der Lunge, ausgebreitet haben – mit hochdosierten Arginin- oder Placebosuspensionen behandelt.

Sechs Monate nach der Strahlentherapie kam es bei 82 Prozent der Arginin-Gruppe zu einer Verbesserung oder zumindest zu keiner Verschlechterung der neurologischen Symptome, verglichen mit 20 Prozent in der Placebo-Gruppe. Die meisten der mit Arginin behandelten und während der Studie verstorbenen Patienten starben, weil sich ihr Krebs an anderer Stelle im Körper ausgebreitet hatte.

Und obwohl metastasierender Krebs in der Regel eine schlechte Prognose hat, gab es einige mit Arginin behandelte Patienten, deren Tumoren innerhalb und außerhalb des Gehirns verschwanden, was auf die Möglichkeit einer Heilung hindeutet.

Arginin möglicherweise generell gegen Krebs von Nutzen?

Die Idee, Arginin zur Behandlung von Krebs einzusetzen, entstand aus der Beobachtung, dass Tumoren oft ihr eigenes Überleben fördern, indem sie hohe Mengen des verwandten Moleküls Stickstoffmonoxid (NO) produzieren. Letzteres reguliert zahlreiche Prozesse im Körper, einschließlich des Blutflusses durch die Blutgefäße, und Tumorzellen stellen häufig mehr NO her, indem sie ihre Produktion spezieller Enzyme, der sogenannten NO-Synthasen, die NO aus Arginin synthetisieren, hochregulieren.

Die Verringerung der NO-Produktion ist eine Möglichkeit, die Abhängigkeit der Tumoren von diesem Molekül auszunutzen, hat sich aber nicht bewährt, zum Teil wegen der negativen Nebenwirkungen. Die Forscher stellten die Hypothese auf, dass eine Steigerung der NO-Produktion – durch Zugabe des Vorläufers Arginin – von Vorteil sein könnte, da Tumoren NO zwar für ihr Wachstum und ihr Überleben nutzen können, seine Produktion aber unterhalb bestimmter Grenzen halten müssen.

Die Ergebnisse dieser Studie und früherer Forschungen deuten auch darauf hin, dass Arginin nicht nur Tumorzellen direkt behindern, sondern auch die Aktivität von Antitumor-Immunzellen steigern kann, sagt Studienautor Dr. Leandro Cerchietti vom Angel H. Roffo Cancer Institute in Argentina.

Die vielversprechenden Ergebnisse haben das Team dazu veranlasst, weitere Studien mit Arginin allein oder in Kombination mit anderen Krebsmedikamenten zu beginnen und zu planen.

Die Studienautoren weisen aber darauf hin, dass weitere Studien erforderlich sind und Patienten ihren Arzt über die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln außerhalb einer klinischen Studie befragen sollten. Die in dieser Studie verwendeten Arginin-Dosierungen sind in Darreichungsformen erhältlich, die nur in einer medizinischen Einrichtung erworben werden können.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Science Advances, 2021; 7 (45) DOI: 10.1126/sciadv.abg1964





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