Prucaloprid könnte Gedächtnis und Kognition fördern

Neuronale und verhaltensbezogene Wirkungen des 5-HT4-Rezeptor-Agonisten Prucaloprid in einer vom Hippocampus abhängigen Gedächtnisaufgabe

04.10.2021 Die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung kognitiver Probleme bei Patienten mit psychischen Erkrankungen könnte einen Schritt näher rücken, nachdem ein Forscherteam herausgefunden hat, dass ein bereits vorhandenes Medikament – Prucaloprid (Handelsname Resolor), das zur Behandlung von Verstopfung eingesetzt wird – unsere Fähigkeit, klarer zu denken, steigern kann.

Die Studie wurde im Fachblatt Translational Psychiatry veröffentlicht.

Schwere psychiatrische Störungen können verheerende Auswirkungen auf das Leben eines Patienten haben. Kognitive Beeinträchtigungen, einschließlich einer verminderten Aufmerksamkeit und eines verminderten Arbeitsgedächtnisses sowie einer gestörten sozialen Wahrnehmung und Sprache, sind bei psychiatrischen Erkrankungen wie schweren Depressionen, Schizophrenie und bipolaren Störungen weit verbreitet, schreiben die Wissenschaftler.

Diese weit verbreiteten Probleme seien mit den derzeitigen Medikamenten nur unzureichend behandelbar und haben oft große Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen, weshalb Forscher nach Möglichkeiten zur Verbesserung oder Wiederherstellung dieser Funktionen suchen.

Die Studie

Nun hat eine Gruppe britischer Forscher das bereits zugelassene Medikament Prucaloprid getestet, das auf den 5-HT4-Rezeptor abzielt, und festgestellt, dass es die kognitiven Fähigkeiten verbessern kann. Prucaloprid wird in erster Linie gegen Verstopfung verschrieben und hat ein akzeptables Maß an Nebenwirkungen, wenn es unter ärztlicher Aufsicht eingenommen wird.

44 gesunde Freiwillige im Alter von 18 bis 36 Jahren nahmen an der Studie teil. 23 von ihnen erhielten Prucaloprid, 21 ein Placebo. Nach sechs Tagen wurde bei allen Probanden ein fMRT-Gehirnscan durchgeführt. Bevor die Probanden in den MRT-Scanner gingen, wurde ihnen eine Reihe von Bildern von Tieren und Landschaften gezeigt. Während des Scans sahen sie sich diese und ähnliche Bilder erneut an. Nach dem Scan führten die Probanden einen Gedächtnistest durch: Sie sollten die Bilder, die sie vor und während des Scans gesehen hatten, von einer Reihe völlig neuer Bilder unterscheiden.

Verbesserungen im Gedächtnistest

Die Forscher fanden heraus, dass die Prucaloprid einnehmenden Probanden im Vergleich zu denjenigen, die ein Placebo einnahmen, nach dem Scan signifikant besser im Gedächtnistest abschnitten und außerdem fMRT-Scans aufwiesen, die eine erhöhte Aktivität in Hirnbereichen zeigten, die mit der Kognition zusammenhängen. Die erhöhte Aktivität lag in Bereichen, die mit dem Gedächtnis in Verbindung stehen, wie dem Hippocampus (in Zentrum des Gehirns) und dem rechten Gyrus angularis (im hinteren Teil des Gehirns).

Prucaloprid ist ein 5-HT4-Agonist, der vor allem bei Verstopfung eingenommen wird. Es hat keine nennenswerten Nebenwirkungen, wenn es unter ärztlicher Aufsicht eingenommen wird, obwohl die Ärzte vor der Möglichkeit von Kopfschmerzen, Magen-Darm-Symptomen wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall sowie Müdigkeit oder Schwindel warnen; jedoch trat bei keinem der Probanden, die Prucaloprid in dieser Studie einnahmen, nennenswerte Nebenwirkungen auf.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Translational Psychiatry (2021). DOI: 10.1038/s41398-021-01568-4

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