Retigabin (Trobalt)

Antikonvulsivum – Antiepileptikum

Retigabin (auch unter dem Namen Ezogabin bekannt) ist ein Antikonvulsivum / Antiepileptikum, welches zur Kontrolle der Epilepsie eingesetzt wird. Außerdem wird es als Analgetikum bei neuropathischen Schmerzen benutzt. Handelsname ist Trobalt (wurde vom Markt genommen). Mögliche Nebenwirkungen des Medikaments.
Der ATC-Code von Retigabin ist N03AX21: N — Nervensystem, N03 — Antiepileptika, N03AX — Andere Antiepileptika.

News

FDA: Trobalt genehmigt für Erwachsene mit epileptischen Anfällen

Potiga (Ezogabin oder Retigabin (Handelsname Trobalt)) Tabletten sind von der U.S. Food and Drug Administration genehmigt worden, um fokale epileptische Anfälle bei Erwachsenen zu behandeln, sagte die Agentur.

Fokale Anfälle bzw. teilweise / partielle Anfälle kommen am häufigsten vor bei Menschen, die Epilepsie haben, sagte die FDA in einer Pressemitteilung. Die Agentur sagte, dass Potiga / Trobalt das erste einer Klasse von Medikamenten ist, neuronale Kaliumkanalöffner genannt, das für Epilepsie in den Vereinigten Staaten zugelassen wurde.

Mögliche Nebenwirkungen

Potiga bzw. Trobalt kann „neuro-psychiatrische Symptome, inklusive Verwirrung, Halluzination und psychotische Symptome“ verursachen, die normalerweise innerhalb von sieben Tagen abklingen – nach Einnahmestopp des Medikaments, sagte die FDA. Retigabin kann auch zu Harneinbehaltung oder Schwierigkeiten führen, die Blase vollständig zu entleeren.

Und wie bei anderen antiepileptischen Medikamenten, sagte die Agentur, kann Retigabin „auch suizidale Gedanken oder Handlungen bei einer sehr kleinen Anzahl von Menschen verursachen“. Diejenigen, die das Antiepileptikum nehmen, sollten sich an einen Arzt wenden, wenn sie Gedanken an Selbstmord haben, oder sich verschlimmernde Symptome von Angst, Sorgen oder Depression haben, warnte die FDA.

Potiga wurde von im North Carolina beheimatetem Valeant Pharmaceuticals North America entwickelt und wird von GlaxoSmithKline (Trobalt) vertrieben, Research Triangle, N.C.
Quelle: U.S. Food and Drug Administration, Juli 2011

Weitere sehr häufige Nebenwirkungen können sein:

  • Schwindel,
  • Somnolenz (Schläfrigkeit),
  • Fatigue (Müdigkeit) sowie
  • Pigmentveränderungen des Auges und
  • Verfärbung von Nägeln, Lippen und Haut.

Zulassung: EU – Deutschland

Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur hat die Zulassung von Trobalt empfohlen als Zusatztherapie für fokale Krampfanfälle mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Erwachsenen über 18 Jahre mit Epilepsie empfohlen.

Trobalt 200 mg, 300 mg und 400 mg ) kann (als Last-Line-Therapie) in Kombination mit anderen Arzneimitteln gegen Epilepsie zur Behandlung von Erwachsenen mit arzneimittelresistenten fokalen Krampfanfällen angewendet werden.

Retigabin (Ezogabin): Netzhautabnormitäten und blaue Hautverfärbung

Die FDA warnt, dass das Antiepileptikum Potiga (Ezogabin – in Deutschland heißt der Wirkstoff Retigabin und das Medikament Trobalt) blaue Hautverfärbungen und Pigmentveränderungen in der Retina verursachen kann.

Trobalt / Potiga

Retigabin: Netzhautabnormitäten, Hautverfärbung
Strukturformel Retigabin

Die Food and Drug Administration weiß gegenwärtig nicht, ob diese Veränderungen reversibel sind.

Retigabin ist in den USA genehmigt worden als adjunktive Behandlung (zu anderen antikonvulsiven Medikamenten) bei erwachsenen Patienten (18 Jahre und älter) mit partiellen Krampfanfällen.

In Deutschland ist Trobalt derzeit nicht im Handel.

Hautverfärbungen

Die berichteten Hautverfärbungen traten überwiegend als blaue Pigmentation auf den oder um die Lippen herum oder im Nagelbett von Fingern oder Zehen, aber auch im Gesicht und auf den Beinen auf.

Die Hautverfärbung trat im Allgemeinen vier Jahre nach der Behandlung mit Retigabin auf, aber bei einigen Patienten auch schon früher. In einigen Fällen sind Netzhautabnormitäten ohne Vorkommen einer Hautverfärbung beobachtet worden.

© arznei-news.de – Quelle: FDA, April 2013

EMA empfiehlt: Trobalt bei fokaler Epilepsie als Last-Line Therapie

Trobalt ist ein Antikonvulsivum, das bei der Behandlung von Epilepsie zum Einsatz kommt. Der Wirkstoff ist Retigabin. Die Herstellerfirma von Trobalt ist GlaxoSmithKline.

Das Nutzen-Rrisiko-Verhältnis bleibt für alternativlose Patienten positiv; ansonsten wird eine eingeschränkte Verwendung von Trobalt (Retigabin) aufgrund des Risikos der Netzhautpigmentierung empfohlen.

Das Komitee der europäischen Arzneimittel-Agentur (CHMP) hat empfohlen, die Verwendung des antiepileptischen Medikaments Trobalt (aktive Substanz Retigabin) nur auf jene Patienten zu beschränken, für die andere antiepileptische Medikamente sich als inadäquat oder unverträglich erwiesen haben.

Diese Empfehlung folgt einer sorgfältigen Auswertung von Fällen der Pigmentierung (anormale Verfärbung) von Haut, Nägeln, Lippen und Augengewebe, inklusive der Retina, bei Patienten, die an Langzeitstudien teilnahmen.

In ihrer Beurteilung zog das CHMP nicht nur die Wichtigkeit der Netzhautpigmentierung in Betracht, weil es möglicherweise zu Sehstörungen führen könnte, sondern auch, dass eine unkontrollierte Epilepsie eine ernste, potentiell lebensbedrohliche, Erkrankung sein kann, wenn sie unbehandelt bleibt. Das CHMP schloss deshalb, dass Trobalt eine wertvolle Alternativoption für Patienten bleibt, deren Epilepsie nicht durch andere Medikamente kontrolliert werden kann.

© arznei-news.de – Quelle: EMA, Mai 2013

Trobalt ®: Rote-Hand-Brief wegen Pigmentveränderungen

GlaxoSmithKline weist in einem Rote-Hand-Brief daraufhin, dass es im Zusammenhang mit dem Medikament Trobalt (Wirkstoff Retigabin) zu Pigmentveränderungen von Augengeweben, inklusive der Retina, sowie von Haut, Lippen und/oder Nägel kommen kann.

Das Unternehmen informiert, dass Trobalt® ab sofort nur noch als „Zusatztherapie von pharmakoresistenten fokalen Krampfanfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Patienten mit Epilepsie im Alter von 18 Jahren oder älter“ zur Anwendung kommen soll, wenn keine anderen adäquaten Medikamente zur Verfügung stehen.

In zwei klinischen Studien mit Retigabin kam es zu einem gehäuften Auftreten von Pigmentveränderungen des Augengewebes bei den Patienten, die den Wirkstoff erhalten hatten. Bei einigen Patienten war die Retina betroffen. Weiterhin kam es zu blau-grauen Verfärbungen von Haut, Lippen und/oder Nägeln bei einigen der Patienten.

Mit Trobalt behandelte Patienten sollten bei der nächsten Routineuntersuchung hierauf untersucht und es sollte eine erneute Nutzen-Risiko-Analyse erfolgen.

Vor dem Beginn der Behandlung mit Retigabin sollten die Augen untersucht werden; danach alle sechs Monate erneut.

© arznei-news.de – Quelle: BfArM, Juni 2013

Marktrücknahme von Trobalt

24.04.2017 Das Unternehmen GlaxoSmithKline erinnert an die weltweite Marktrücknahme von TROBALT® 50 mg, 100 mg, 200 mg, 300 mg, 400 mg Filmtabletten (mit dem Wirkstoff Retigabin) Ende Juni 2017.

Obwohl die Marktrücknahme von TROBALT in Deutschland bereits am 1. Juli 2012 erfolgte, werden nach der Kenntnis von GSK weiterhin einige Patienten mit TROBALT-Importware behandelt, weshalb das Unternehmen auch Ärzte in Deutschland entsprechend informiert.

Daher sollte die Behandlung mit dem Medikament bis spätestens Ende Juni 2017 beendet und auf eine geeigenete Therapie umgestellt werden. Die Behandlung sollte laut GSM „unter gradueller Dosisreduktion schrittweise über einen Zeitraum von mindestens 3 Wochen abgesetzt werden“.

Es sollten ab sofort keine Behandlungen mit Trobalt begonnen werden und Ärzte sollten ihre Kollegen darüber informieren.

Ab Juli 2017 wird weltweit keine Ware mehr im Handel verfügbar sein, schreibt das Pharmaunternehmen.

ALS: Ezogabin-Behandlung reduziert Erregbarkeit von Motoneuronen

10.12.2018 Dr. Brian Wainger vom Healey Center for ALS am Massachusetts General Hospital hat auf der Jahrestagung der Motor Neurone Disease Association in Glasgow, Schottland erste Ergebnisse einer kürzlich abgeschlossenen klinischen Phase-2-Studie mit Ezogabin (auch Retigabin genannt) vorgestellt.

Die Studie erreichte ihr primäres Ziel: eine Reduktion der Erregbarkeit von Motoneuronen bei Menschen mit amyotropher Lateralsklerose (ALS) – gemessen nach der Behandlung.

Wirkmechanismus

Retigabin hat einen einzigartigen Wirkmechanismus bei der Aktivierung der Kv7- oder KCNQ-Familie der spannungsgesteuerten Kaliumkanäle in Zellmembranen und kann die Erregbarkeit von Nervenzellen, die Anfälle verursachen, unterdrücken.

Ähnliche „Übererregbarkeit“ in Motoneuronen kann bei ALS eine Rolle spielen, und die Studie bewertete das Potenzial von Retigabin im Zusammenhang mit ALS.

Die Forscher nutzten transkranielle Magnetstimulations- und Nerven-Schwellenwertanalysen zur Messung der Auswirkungen von Retigabin auf die Erregbarkeit von oberen und unteren Motoneuronen bei 65 Menschen mit ALS und fanden heraus, dass die Behandlung die Erregbarkeit von Motoneuronen reduziert hat. Die Studie war nicht in der Lage, die klinischen Ergebnisse zu bewerten.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Motor Neurone Disease Association



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