Schlaganfall: Verbessert „Bridging-Therapie“ den Behandlungserfolg?

Metaanalyse zeigt, dass Gerinnsel-auflösende Medikamente gefolgt von Gerinnselentfernung am besten wirkt

17.02.2022 Über die beste Behandlung für eine bestimmte Art von Schlaganfall, der durch die Verstopfung einer großen Arterie im Gehirn verursacht wird, ist eine Debatte entbrannt.

Eine neue Metaanalyse kommt zu dem Ergebnis, dass Menschen mit dieser Art von Schlaganfall, die innerhalb von viereinhalb Stunden nach Beginn der Symptome behandelt werden können, nach dem Schlaganfall bessere Ergebnisse erzielen, wenn sie sowohl mit einem gerinnselauflösenden Medikament als auch mit einer physischen Entfernung des Gerinnsels behandelt werden – im Vergleich zu einer alleinigen physischen Entfernung.

Die Forschungsergebnisse sind in Neurology veröffentlicht worden. Die Kombination der beiden Therapien, die sogenannte „Bridging-Therapie“ bzw. „Überbrückungstherapie“, konnte die Überlebenschancen der Betroffenen verbessern und ihnen ein unabhängiges Leben nach dem Schlaganfall ermöglichen.

Schlaganfall

Die häufigste Form des Schlaganfalls ist der ischämische Schlaganfall, bei dem ein das Gehirn mit Blut versorgendes Gefäß blockiert wird. Befindet sich die Verstopfung in einer großen Arterie, spricht man von einem Schlaganfall mit einem großen Gefäßverschluss. Große Gefäßverschlüsse des vorderen Kreislaufs, die in dieser Studie untersucht wurden, treten im vorderen Teil des Gehirns auf und sind eine der Hauptursachen für Behinderungen bei Erwachsenen.

Bridging-Therapie

Die zweistufige Bridging-Therapie umfasst Folgendes: intravenöse Thrombolyse, d. h. die Injektion von gerinnselauflösenden Medikamenten, und mechanische Thrombektomie, ein minimalinvasives Verfahren, bei dem das Blutgerinnsel durch einen kleinen Schnitt entfernt wird.

Für die Metaanalyse untersuchten die Forscher 41 Studien, an denen 14.885 Menschen mit Schlaganfällen mit großen Gefäßverschlüssen und einem Durchschnittsalter von 70 Jahren teilnahmen. Davon wurden 8.238 Personen mit einer Überbrückungstherapie und 6.647 mit einer alleinigen Gerinnselentfernung behandelt. Für die gerinnselauflösende Therapie wurde das Medikament Alteplase verwendet.

Behandlungsergebnisse im Vergleich

Mit einer Bridging-Therapie behandelte Teilnehmer hatten eine um 29 % höhere Wahrscheinlichkeit nach drei Monaten unabhängig leben zu können. Nach Angaben von Studienautorin Dr. Gabriela Trifan von der University of Illinois Chicago bedeutet dies, dass von 1.000 Menschen mit einer Überbrückungstherapie im Vergleich zur alleinigen Entfernung des Blutgerinnsels voraussichtlich 62 Menschen zusätzlich unabhängig leben können.

Bei den mit einer Bridging-Therapie Behandelten war die Wahrscheinlichkeit, dass der Blutfluss in die vom Schlaganfall betroffenen Hirnregionen zurückkehrte, um 24 % höher als bei den Personen, bei denen das Gerinnsel allein entfernt wurde, d. h. bei 34 von 1.000 Personen.

Die Wahrscheinlichkeit für den Tod innerhalb von 90 Tagen nach dem Schlaganfall war bei den Teilnehmern an der Überbrückungstherapie um 31 % geringer als bei den Teilnehmern, bei denen nur das Gerinnsel entfernt wurde. Trifan sagte, dass dies voraussichtlich 59 weniger Todesfälle pro 1.000 Menschen bedeuten würde.

Als die Forscher die Analysen auf die letzten sechs qualitativ hochwertigen randomisierten klinischen Studien beschränkten, stellten sie fest, dass die funktionelle Unabhängigkeit und die Sicherheitsergebnisse zwischen der Überbrückungstherapie und der alleinigen Gerinnselentfernung ähnlich waren.

„Diese Ergebnisse sind zwar nicht aussagekräftig genug, um die Praxis zum jetzigen Zeitpunkt zu ändern, sie stellen jedoch einen Schritt in Richtung des Konzepts der personalisierten Medizin dar, bei dem die Gerinnselentfernung bei ausgewählten Patienten in den geeigneten klinischen Situationen ebenso effizient und sicher sein kann wie die Überbrückungstherapie“, so Trifan.

Die Metaanalyse belegt nicht, dass Menschen mit dieser Art von Schlaganfall bessere Ergebnisse haben, wenn sie mit beiden Therapien behandelt werden; sie zeigt lediglich einen Zusammenhang.

Diese Metaanalyse zeigt, dass die Bridging-Therapie sicher ist und das Risiko einer Blutung nicht erhöht oder den Beginn der Gerinnselentfernung verzögert, sagt Trifan.

Eine Einschränkung der Metaanalyse besteht darin, dass Alteplase das einzige Medikament war, das für diese Analyse zugelassen wurde. Außerdem gelten die Ergebnisse nur für Personen, die sich an medizinische Zentren wenden, die Thrombektomie anbieten, schreiben die Autoren.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Neurology, 2022 DOI: 10.1212/WNL.0000000000200029





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