Protonenpumpenhemmer – Sterblichkeit / Mortalität

Mögliche Nebenwirkungen in Studie identifiziert: tödliche Herz- und Nierenerkrankungen, Magenkrebs

31.05.2019 Eine im British Medical Journal publizierte Studie von Forschern der Washington Universität in St. Louis bringt den langfristigen Einsatz von Protonenpumpenhemmern (PPI) mit tödlichen Fällen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Nierenerkrankungen und oberem Magen-Darm-Krebs in Verbindung.

Für die Studie durchsuchten die Forscher anonymisierte medizinische Aufzeichnungen einer Datenbank und identifizierten 157.625 Menschen – meist weiße Männer ab 65 Jahren – die neu verschriebene Protonenpumpen-Inhibitoren erhalten hatten, und 56.842 Menschen, denen eine weitere Klasse von Säureunterdrückungsmitteln, die als H2-Blocker bekannt sind, verschrieben worden waren. Sie analysieten die Daten der Patienten bis zu 10 Jahre.

Erhöhtes Sterberisiko

Die Forscher fanden ein um 17 Prozent erhöhtes Todesrisiko in der PPI-Gruppe im Vergleich zur H2-Blockergruppe. Sie berechneten 45 zusätzliche Todesfälle, die auf den langfristigen PPI-Konsum pro 1.000 Menschen zurückzuführen sind.

Die Sterberaten für PPI lagen bei 387 pro 1.000 Menschen, und die Sterberaten für H2-Blocker bei 342 pro 1.000.

Erkrankungen

Der Einsatz von PPI war mit Todesfällen verbunden, die durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Nierenerkrankungen und oberen Magen-Darm-Krebs verursacht wurden. Insbesondere starben 15 pro 1.000 der PPI-Nutzer an einer Herzerkrankung, vier pro 1.000 an einer chronischen Nierenerkrankung und zwei pro 1.000 an Magenkrebs.

Die Todesraten aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen lagen bei 88 in der PPI-Gruppe und 73 in der H2-Blocker-Gruppe. Für Magenkrebs lagen die Sterblichkeitsraten in der PPI-Gruppe bei sechs und in der H2-Blocker-Gruppe bei vier. Die Sterberate aufgrund einer chronischen Nierenerkrankung lag bei acht in der PPI- bzw. vier in der H2-Blocker-Gruppe.

Weitere Befunde

Darüber hinaus ergab die Studie, dass mehr als die Hälfte der Menschen, die PPIs einnahmen, dies ohne medizinischen Bedarf taten, obwohl die Daten nicht zeigten, warum den Patienten PPI verschrieben wurden. Unter dieser Gruppe waren PPI-verknüpfte Todesfälle häufiger anzutreffen, wobei fast 23 Menschen pro 1.000 an Herzerkrankungen starben, fast fünf pro 1.000 an chronischen Nierenerkrankungen und drei an Magenkrebs.

Die Studie ergab auch, dass mehr als 80 Prozent der PPI-Nutzer niedrige Dosen des verschreibungspflichtigen Medikaments erhielten oder solche, die den Dosen entsprachen, die in rezeptfreien Versionen angeboten wurden.
© arznei-news.de – Quellenangabe: British Medical Journal – https://dx.doi.org/10.1136/bmj.l1580