Bipolare Störung: Einflussfaktoren für Lithiumdosis

Bessere Vorhersage der Lithiumdosis mit Hilfe von Pharmakokinetik und Pharmakogenomik

13.05.2022 Sechs Prädiktoren (Einflussfaktoren) könnten dazu beitragen, die zur Behandlung von Patienten mit bipolarer Störung benötigte Lithiummenge zu bestimmen. Dies geht aus einer großen Studie hervor, die von Forschern des Karolinska Institutet in Schweden geleitet wurde.

Die in der Zeitschrift The Lancet Psychiatry veröffentlichte Studie zeigt auch genetische Marker auf, die zu beeinflussen scheinen, wie schnell der Körper Lithium aus seinem System eliminiert.

Lithium bei bipolarer Störung

Lithium ist eine der wichtigsten Medikamente für Patienten mit bipolarer Störung. Die chemische Substanz wirkt als Stimmungsstabilisator und reduziert die Episoden von Depression und Manie. Wie viel davon benötigt wird, ist von Person zu Person sehr unterschiedlich, und es ist wichtig, die richtige Dosis für jeden Patienten zu finden, da eine zu hohe Dosis toxisch sein kann, während eine zu geringe Dosis unwirksam ist.

Um das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren, neigen Ärzte dazu, die Behandlung mit niedrigen Dosen zu beginnen, die im Laufe der Zeit erhöht werden, weshalb es Monate dauern kann, bis die Behandlung Wirkung zeigt.

Die Studie

Um dieses Problem zu lösen, haben Forscher lange nach einem Modell gesucht, mit dem sich die Dosisreaktion bei einzelnen Patienten vorhersagen lässt. Frühere Studien haben Marker wie Alter, Geschlecht und Nierenfunktion als mögliche Einflussfaktoren dafür ermittelt, wie schnell der Körper Lithium ausscheidet (Lithium-Clearance), was zur Bestimmung der täglich benötigten Menge herangezogen werden kann. Die meisten Studien waren jedoch durch kleine Stichprobengrößen begrenzt.

In der aktuellen Studie untersuchten die Forscher elektronische Gesundheitsakten und Registerdaten von insgesamt 2.357 Patienten mit bipolarer Störung, was möglicherweise die bisher größte Stichprobengröße für diese Art von Studie darstellt. Eingeschlossen waren sowohl Männer als auch Frauen im Alter von 17 bis 89 Jahren, überwiegend europäischer Abstammung.

Faktoren für Lithium-Clearance

Die Studie ergab Zusammenhänge zwischen der Geschwindigkeit der Lithium-Clearance und dem Alter, dem Geschlecht, der Nierenfunktion (gemessen als eGFR), der Lithiumkonzentration im Serum und der Medikation mit Diuretika und Substanzen, die auf das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) abzielen und zur Behandlung von Bluthochdruck und anderen Erkrankungen eingesetzt werden können.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass ältere Patienten, Frauen, Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und Patienten, die bestimmte Medikamente einnehmen, niedrigere Lithiumdosen benötigen. Interessanterweise entdeckten wir auch, dass die eingenommene Lithiummenge und die Lithiumkonzentration im Blut nicht vollständig proportional zu sein scheinen, was der gängigen Auffassung etwas widerspricht. Unser Modell, das auf diesen Prädiktoren basiert, erklärt etwa 50-60% der Varianz der Lithium-Clearance, was besser ist als frühere Modelle und als Grundlage für Behandlungsentscheidungen dienen könnte“, sagt Erstautor Vincent Millischer vom Fachbereich für Molekulare Medizin und Chirurgie am Karolinska Institutet und Facharzt für Psychiatrie an der Medizinischen Universität Wien.

Genmarker

Die Studie fand auch Zusammenhänge zwischen einer geringeren Lithium-Clearance und einem genetischen Locus auf Chromosom 11 und konnte auch zeigen, dass genetische Varianten, die den BMI und die Nierenfunktion betreffen, mit der Lithium-Clearance in Verbindung stehen.

Auch wenn die Hinzufügung der genetischen Marker die Vorhersagekraft des Modells nur geringfügig verbesserte, eröffnen die Forscher damit die Möglichkeit einer personalisierten Medizin in der Lithiumbehandlung in der Zukunft.

© arznei-news.de – Quellenangabe: The Lancet Psychiatry – DOI:https://doi.org/10.1016/S2215-0366(22)00100-6

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