Prazosin bei Alkoholismus

Prazosin kann starken Trinkern beim Alkoholentzug helfen

19.11.2020 Das Medikament Prazosin, das zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt wird, kann Alkoholikern mit Entzugserscheinungen helfen, ihren Alkoholkonsum zu verringern oder ganz zu stoppen, berichten Forscher der Universität Yale im American Journal of Psychiatry.

In einer Doppelblindstudie verabreichten Forscher das Medikament Prazosin oder ein Placebo an 100 Personen, die sich nach der Diagnose einer Alkoholabhängigkeit in ambulante Behandlung begeben hatten. Alle Patienten hatten vor Beginn der Behandlung Entzugssymptome in unterschiedlichem Ausmass erlebt.

Laut den Forschern verringerten mit Prazosin behandelte Personen mit schwereren Symptomen – einschliesslich Zittern, verstärktem Verlangen und Angst sowie Schlafstörungen – im Vergleich zu den Teilnehmern, die ein Placebo erhielten, die Anzahl schwerer Alkoholexzesse und der Tage, an denen sie tranken, signifikant. Bei Personen mit wenigen oder keinen Entzugssymptomen hatte das Medikament wenig Wirkung.

Für Menschen mit schweren Entzugssymptomen gab es bisher keine leicht zugängliche Behandlung, und dies sind die Menschen mit dem höchsten Rückfallrisiko, die am ehesten in der Notaufnahme eines Krankenhauses landen, sagte die Studienautorin Rajita Sinha.

Prazosin wurde ursprünglich zur Behandlung von Bluthochdruck entwickelt und wird noch immer unter anderem zur Behandlung von Prostataproblemen bei Männern eingesetzt. Frühere Studien, die in Yale durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass das Medikament auf Stresszentren im Gehirn wirkt und dazu beiträgt, das Arbeitsgedächtnis zu verbessern und Ängste und Verlangen einzudämmen.

Sinhas Labor hat gezeigt, dass die Stresszentren des Gehirns schon früh in der Genesung stark gestört sind, besonders bei Menschen mit Entzugserscheinungen und starkem Craving, aber dass die Störung abnimmt, je länger die Person nüchtern bleibt. Prazosin könnte helfen, diese Lücke zu überbrücken, indem es Craving und Entzugssymptome früher in der Genesung lindert und die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Patienten auf Alkohol verzichten, sagte sie.

Ein Nachteil sei, dass Prazosin in seiner gegenwärtigen Form dreimal täglich verabreicht werden müsse, um wirksam zu sein, stellte Sinha fest.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Universität Yale.



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