Schmerzmittel: Cannabis gegen Schmerzen

Schmerzmittel – Analgetika

Cannabis-Tablette besser als Marihuana-Rauchen bei Schmerzen

30.04.2013 Marihuana bewirkt eine bessere Schmerzlinderung, wenn es in Tablettenform eingenommen wird laut einer neuen Forschungssstudie.

Schmerzlinderung

Krebs- und Multiple-Sklerose-Ärzte sehen Cannabis immer öfter als Alternative für die Behandlung von Patienten an, die eine Linderung ihrer Schmerzen wünschen.

Rauchen von Marihuana gesundheitsschädlich

Aber Rauchen von Marihuana trägt auch einige Gesundheitsrisiken, da der Rauch Karzinogene und Reizstoffe (für die Lunge) enthält und die Raucher tendieren dazu, den Rauch tief zu inhalieren und anzuhalten, um eine Maximalwirkung zu erzielen.

Neurowissenschaftler in den Vereinigten Staaten haben in der ersten wissenschaftlichen Studie die Schmerzlinderung von gerauchtem Marihuana und Cannabis Tabletten (aktive Substanz Tetrahydrocannabinol bzw. THC) miteinander verglichen.

Forscher der Universität von Columbia in New York unterzogen 15 männliche und 15 weibliche Freiwillige (alle tägliche Cannabis-Raucher) einem Schmerztest, nachdem sie Marihuana geraucht, eine Cannabis-Tablette oder ein Placebo eingenommen hatten.

Cannabis-Tablette langfristig wirksamer

Die Teilnehmer steckten ihre Hände für ein bis zwei Minuten in äußerst kaltes Wasser und berichteten über ihre Schmerzempfindungen.

Sowohl gerauchtes Marihuana als auch die THC Tablette verminderte die Schmerzempfindlichkeit und erhöhte die Toleranz gegenüber dem Schmerz, verglichen mit dem Placebo.
Aber das Cannabis in Tablettenform schlug das gerauchte Marihuana langfristig bei der Schmerzlinderung.

Die Befunde sind vielversprechend hinsichtlich der medizinischen Verwendung der THC Tablette, aber es muss noch herausgefunden werden, ob es auch bei Personen wirkt, die nicht Marihuana rauchen, sagen die Forscher.
Quelle: Universität Columbia, April 2013

Marihuana lindert bei Männern die Schmerzen, bei Frauen kaum

20.08.2016 Eine in Drug and Alcohol Dependence veröffentlichte Studie der Universität Columbia zeigt, dass Männer beim Rauchen von Marihuana eine größere Schmerzlinderung demonstrierten als Frauen.

Geschlechterunterschiede

Immer mehr Menschen benutzen medizinisches Marihuana zur Linderung von Schmerzen, sagte Studienautorin Dr. Ziva Cooper. Vorklinische Belege haben aber schon darauf hingewiesen, dass es Geschlechterunterschiede bei der Schmerzreduktion durch Cannabis gibt, doch bislang gab es keine Human-Studien dazu, sagte sie.

In dieser Studie analysierten die Forscher Daten aus zwei doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studien, die die schmerzlindernden Effekte von Cannabis bei 42 gelegentlichen Marihuana-Rauchern untersuchten.

Nach dem Rauchen der gleichen Menge – entweder von Marihuana oder einer Placebo-Form von Cannabis – sollten die Versuchsteilnehmer eine Hand in sehr kaltes Wasser legen bis sie die Schmerzen nicht mehr ertrugen. Danach füllten sie einen kurzen Schmerzfragebogen aus.

Schmerzempfindlichkeit und Schmerztoleranz

Männer zeigten nach dem Rauchen eine bedeutende Abnahme in der Schmerzempfindlichkeit und eine Zunahme in der Schmerztoleranz.

Frauen demonstrierten keine bedeutende Abnahme in der Schmerzempfindlichkeit, obwohl sie eine kleine Zunahme in der Schmerztoleranz kurz nach dem Rauchen zeigten.

Trotz der Unterschiede bei der Schmerzlinderung berichteten Männer und Frauen nicht über Unterschiede bei der Ausprägung des gefühlten Rausches, oder wie sehr sie die Wirkung des aktiven Marihuanas genossen.

Wichtige Konsequenzen

Die Autoren bemerkten, dass zusätzliche Studien sowohl mit Männern als auch mit Frauen nun erforderlich sind, um die Faktoren zu verstehen, die die schmerzlindernden Effekte von Cannabinoiden, den aktiven Chemikalien in Cannabis-Produkten, bewirken – einschließlich Stärke, Verabreichungsform (oral versus rauchend), Häufigkeit und Schmerztyp.

Diese Studie unterstreicht die Wichtigkeit, zwischen Männern und Frauen bei klinischen Studien zu unterscheiden, die auf das Verständnis der potenziellen therapeutischen und negativen Effekte von Cannabis-Produkten abzielen, insbesondere weil immer mehr Menschen sie zu Erholungs- oder medizinischen Zwecken benutzen, sagte Cooper.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Universität Columbia, Drug and Alcohol Dependence – DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.drugalcdep.2016.08.001; August 2016

Lindert Cannabis doch nicht chronische Schmerzen?

05.07.2018 Eine vierjährige im Fachblatt Lancet Public Health veröffentlichte Studie legt nahe, dass medizinisches Cannabis nicht so wirksam bei der Linderung von chronischen Schmerzen ohne Krebsbeteiligung ist, wie gemeinhin angenommen wird.

Mehr Schmerzen, Ängste und Belastung

Die Cannabis konsumierenden Teilnehmer berichteten, dass sie größere Schmerzen und Angst hatten, weniger gut mit ihren Schmerzen zurechtkamen, und dass die Schmerzen stärker ihr Leben beeinflussten – als diejenigen, die kein Cannabis konsumierten.

Die Forscher untersuchten die Wirkung von Cannabis (Pflanze / Hanf aus deren Pflanzenbestandteilen Haschisch und Marihuana hergestellt werden können) auf die Schmerzen der Teilnehmer, auf das Ausmaß, in dem Schmerzen ihren Alltag störten, und auf ihren verschriebenen Opioidkonsum.

Keine Senkung des Opiodverbrauchs

Es gab keine eindeutigen Hinweise darauf, dass Cannabis zu einer verringerten Schwere der Schmerzen oder Belastung durch sie führte, oder die Teilnehmer dazu brachte, ihren Opioidkonsum oder ihre Dosis zu reduzieren.

Die Teilnehmer hatten im Mittel 10 Jahre Schmerzen und bekamen Opioide für ihre Schmerzen durchschnittlich vier Jahre verschrieben. Es gab ein sehr hohes Ausmaß an körperlichen und psychischen Problemen.

Bei nicht krebsbedingten Schmerzen

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Vorsicht geboten ist, da eine eindeutige Rolle für Cannabis bei der Behandlung von chronischen, nicht krebsbedingten Schmerzen nicht gefunden wurde, schreiben die Wissenschaftler.

Chronische Schmerzen ohne Krebs sind ein komplexes Problem. Für die meisten Menschen ist es unwahrscheinlich, dass es eine einzige wirksame Behandlung gibt, sagte Hauptautorin Dr. Gabrielle Campbell von der University of New South Wales.

In der Studie über Menschen, die mit chronischen, nicht krebsbedingten Schmerzen leben und denen pharmazeutische Opioide verschrieben wurden, fanden wir keine eindeutigen Hinweise darauf, dass der Cannabiskonsum die Schmerzen oder den Opioidkonsum der Teilnehmer im Laufe der Zeit reduziert hat, fasst sie zusammen.

© arznei-news.de – Quellenangabe: The Lancet Public Health (2018). DOI: 10.1016/S2468-2667(18)30110-5

Könnte Marihuana eine wirksame Schmerzmittel-Alternative zu verschreibungspflichtigen Medikamenten sein?

03.07.2019 Eine im Journal of Psychoactive Drugs publizierte Forschungsarbeit konnte zeigen, wie Cannabis eine effektive Behandlungsoption sowohl für die Linderung von Schmerzen als auch von Schlaflosigkeit sein könnte – für diejenigen, die verschreibungspflichtige und rezeptfreie Schlaf- und Schmerzmittel – einschließlich Opioide – vermeiden wollen.

Hilfreich gegen Schmerzen

In der Studie wurden 1.000 Menschen in einem US-Bundesstaat mit legalisiertem Marihuana befragt. Von den 65 % der Cannabis wegen Schmerzen einnehmenden Personen fanden 80 % es als sehr oder äußerst hilfreich.

Reduktion, Absetzen von Schmerzmitteln

Dies führte dazu, dass 82% dieser Menschen in der Lage waren, ihre Schmerzmittel zu reduzieren oder nicht mehr zu nehmen, und 88% konnten die Einnahme von Opioid-Schmerzmitteln einstellen.

Marihuana als Schlafmittel

74% der 1.000 Befragten kauften Cannabis als Schlafmittel – 84% von ihnen sagten, dass das Marihuana ihnen bei ihrer Schlaflosigkeit geholfen hatte, und über 83% sagten, dass sie seitdem die Einnahme von rezeptfreien oder verschreibungspflichtigen Schlafmitteln reduziert oder aufgehört hatten sie zu nehmen.

Die Studie deutet darauf hin, dass Cannabis den Einsatz von Medikamenten gegen Schmerzen und den Opioidkonsum senken könnte. Die Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass mehr geforscht werden muss, um den potenziellen therapeutischen Nutzen von Cannabis zu verstehen.

Die Studienbefunde unterstützen die Annahme, dass die Erweiterung des Zugangs zu medizinischem Cannabis den Einsatz von verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln verringern könnte, schreiben die Studienautoren. Mehr Menschen könnten so ihre Schmerzen bewältigen und behandeln, ohne sich auf verschreibungspflichtige (Opioid-) Präparate verlassen zu müssen, die gefährliche Nebenwirkungen haben können.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Journal of Psychoactive Drugs – DOI: 10.1080/02791072.2019.1626953

Studie bestätigt, dass Cannabisblüten ein wirksames Analgetikum auf mittlerem Niveau gegen Schmerzen sind

22.08.2019 Unter Verwendung der größten Datenbank mit Echtzeit-Aufzeichnungen der Auswirkungen von gängigen und kommerziell erhältlichen Cannabisprodukten in den Vereinigten Staaten fanden Forscher der University of New Mexico starke Belege dafür, dass Cannabis Schmerzen signifikant lindern kann, wobei der durchschnittliche Benutzer unmittelbar nach dem Cannabiskonsum einen Schmerzrückgang von drei Punkten auf einer visuellen Analog-Skala von 0-10 Punkten erfuhr.

Weitere Ergebnisse der in Complementary Therapies in Medicine veröffentlichten Forschungsarbeit: Die größten schmerzstillenden Reaktionen wurden von Menschen berichtet, die die ganzen getrockneten Cannabisblüten oder „Knospen“ verwendeten, und insbesondere Cannabis mit relativ hohem Tetrahydrocannabinol-Gehalt, auch bekannt als THC.

Das erst kürzlich bekannter gewordene Cannabinoid „Cannabidiol oder CBD“ hingegen zeigte wenig Zusammenhang mit den momentanen Veränderungen der Schmerzintensität, basierend auf der in der Studie untersuchten Datenbank.

Das vielleicht überraschendste Ergebnis war, wie weit die Linderung der Schmerz-Symptome reichte, die in etwa 95 Prozent der Cannabisverabreichungen und bei einer Vielzahl von verschiedenen Arten von Schmerzen berichtet wurde, schreibt Xiaoxue Li.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Complementary Therapies in Medicine – https://doi.org/10.1016/j.ctim.2019.07.022





Diese Informationen sind NICHT als Empfehlung für ein bestimmtes Medikament zu verstehen. Auch wenn diese Berichte, Studien, Erfahrungen hilfreich sein können, sind sie kein Ersatz für die Erfahrung und das Fachwissen von Ärzten.

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