Antipsychotika / Neuroleptika bei Schizophrenie

Daten aus 20 Jahren: Langzeitmedikation mit Antipsychotika bei Schizophrenie ist sicher

11.01.2020 Eine in World Psychiatry veröffentlichte Studie untersuchte die Sicherheit einer langfristigen Behandlung von Schizophrenie mit Antipsychotika (auch Neuroleptika genannt). Laut der Studie war die Sterblichkeit in Zeiten, in denen die Patienten keine Medikamente einnahmen, höher als zu der Zeit, in der sie diese einnahmen.

Die Forscher um Heidi Taipale vom Karolinska Institutet analysierten die Daten von etwas mehr als 62.000 Finnen, die irgendwann zwischen 1972 und 2014 die Diagnose Schizophrenie erhalten hatten. Dazu griffen sie bis 2015 auf verschiedene finnische Register zu, was eine durchschnittliche Nachbeobachtungszeit von über 14 Jahren ergab.

Körperliche Erkrankungen; Sterblichkeit

Sie fanden heraus, dass die Wahrscheinlichkeit, wegen einer somatischen Erkrankung ins Krankenhaus eingeliefert zu werden, in der Zeit, in der die Patienten antipsychotische Medikamente einnahmen, genauso hoch war wie in der Zeit, in der sie nicht behandelt wurden.

Die Unterschiede in der Mortalität waren jedoch auffällig. Die kumulative Mortalitätsrate in der Nachbeobachtungszeit betrug in der medikamentösen Phase 26 Prozent und in der nichtmedikamentösen Phase 46 Prozent.

Die Forscher nehmen an, dass es eine überwältigende Unterstützung dafür gibt, dass eine kontinuierliche Behandlung der Schizophrenie mit Antipsychotika eine sicherere Option ist als keine Medikation.

Genauere Aufschlüsselung der Sterblichkeit; größter Nutzen bei Clozapin

Die adjustierten Hazard Ratios (aHRs) betrugen 0,48 für die Gesamtmortalität, 0,62 für die kardiovaskuläre Mortalität und 0,52 für die Suizid-Mortalität während des Gebrauchs im Vergleich zum Nicht-Gebrauch eines Antipsychotikums.

Das vorteilhafteste Mortalitätsresultat war mit dem Einsatz von Clozapin in Bezug auf die Gesamtmortalität (aHR=0,39), die kardiovaskuläre (aHR=0,55) und die Suizidmortalität (aHR=0,21) verknüpft.

Die kumulative Mortalitätsrate während der maximalen Nachbeobachtungszeit von 20 Jahren betrug 46,2% für keine antipsychotische Anwendung, 25,7% für Antipsychotika insgesamt und 15,6% für die Anwendung von Clozapin.

Nebenwirkungen; Nutzen

Gleichzeitig birgt die Behandlung das Risiko von Nebenwirkungen, wie z.B. eine Gewichtszunahme, die das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen kann.

Die Erkenntnis, dass die Behandlung mit antipsychotischen Medikamenten die Wahrscheinlichkeit einer Hospitalisierung wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht erhöht, könnte nach Ansicht der Forscher darauf zurückzuführen sein, dass die Medikamente auch eine blutdrucksenkende Wirkung haben und die Angst und das Risiko des Substanzmissbrauchs verringern können.

Neuroleptika können den Patienten auch zu einem gesünderen Lebensstil verhelfen und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sie sich bei Bedarf in Behandlung begeben.
© arznei-news.de – Quellenangabe: World Psychiatry, DOI: 10.1002/wps.20699.



Erfahrungen, Erfahrungsberichte zu “Antipsychotika / Neuroleptika bei Schizophrenie

  1. Seit 1981 werde ich aufgrund einer Fehldiagnose (Paranoide Schizophrenie) mit Neuroleptika behandelt. Letztes Jahr wurde eine neue Diagnose gestellt: Ich habe das Asperger-Syndrom.
    Insgesamt nahm ich 21 Jahre Pimozid (Orap), 13 Jahre Risperidon und 11 Jahre Chlorprothixen, und bis heute Haloperidol. Aktuell 10mg am Tag.
    Mittlerer Weile leide ich unter einer ausgeprägten Psychopharmaresistenz, deswegen ist die momentane Dosis so hoch (Orap 1982 bis 2003 3-4mg, Risperidon 2004-2017 6- 14mg, und Haloperidol 2017-heute 9-23mg.

    Ich habe während dieser langen Zeit immer gearbeitet und war nie in stationärer Behandlung.

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