Tocilizumab (RoActemra, Actemra) gegen COVID-19 / Coronavirus

Erfahrungen, Erfahrungsberichte zu diesem Medikament

Roche leitet klinische Phase-III-Studie mit Actemra/RoActemra bei hospitalisierten Patienten mit schwerer COVID-19-Lungenentzündung ein

19.03.2020 Roche hat bekanntgegeben, dass das Unternehmen mit der Food & Drug Administration (FDA) zusammenarbeitet, um eine randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte klinische Studie der Phase III in Zusammenarbeit mit Biomedical Advanced Research and Development Authority (BARDA) zur Bewertung der Sicherheit und Wirksamkeit von Actemra/RoActemra (Tocilizumab) plus Standardbehandlung bei stationären erwachsenen Patienten mit schwerer COVID-19-Pneumonie (Lungenentzündung ausgelöst durch das Coronavirus) im Vergleich zu Placebo plus Standardbehandlung zu starten.

Dies ist die erste weltweite Studie zu Actemra/RoActemra in diesem Umfeld und wird voraussichtlich Anfang April mit der Aufnahme von etwa 330 Patienten weltweit, einschliesslich der USA, beginnen. Zu den primären und sekundären Endpunkten gehören der klinische Status, die Mortalität, die mechanische Beatmung und Werte der Intensivstation (ICU).

Bis heute gibt es mehrere unabhängige klinische Studien, die die Wirksamkeit und Sicherheit von Actemra/RoActemra für die Behandlung von Patienten mit COVID-19-Pneumonie untersuchen. Actemra/RoActemra wurde in den 7. aktualisierten Diagnose- und Behandlungsplan für COVID-19 aufgenommen, der am 3. März 2020 von der Nationalen Gesundheitskommission (NHC) Chinas veröffentlicht wurde.

Diese neue Studie ist jedoch von entscheidender Bedeutung, da es keine gut kontrollierten Studien und nur wenige veröffentlichte Belege für die Sicherheit oder Wirksamkeit von Tocilizumab bei der Behandlung von Patienten mit COVID-19 gibt, schreibt Roche. Darüber hinaus ist Actemra/RoActemra derzeit von keiner Gesundheitsbehörde, auch nicht von der US Food and Drug Administration (FDA), für diese Anwendung zugelassen.

Zusätzlich zum Beginn dieser Studie erhielt Roche am 13. März 2020 die FDA-Notfallzulassung für den Cobas® SARS-CoV-2 Test zum Nachweis des neuartigen Coronavirus, das die COVID-19-Krankheit verursacht, schreibt Roche.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Roche.

Tocilizumab zeigt sich vielversprechend bei der Behandlung von COVID-19

25.06.2020 Der Einsatz von Tocilizumab zur Behandlung des Zytokinfreisetzungssyndroms (CRS) scheint für Patienten mit COVID-19 von Nutzen zu sein laut einer in CHEST veröffentlichten Studie.

Dr. Christina C. Price von der Yale University School of Medicine in New Haven, Connecticut, und Kollegen führten eine Beobachtungsstudie mit COVID-19-Patienten durch, die vom 10. bis 31. März 2020 ins Krankenhaus eingewiesen wurden, mit Nachuntersuchungen bis zum 21. April 2020. Die Patienten erhielten Tocilizumab unter Verwendung eines speziellen CRS-Algorithmus.

Es wurden Daten von 239 aufgenommenen Patienten ausgewertet, und von diesen Patienten erfüllten 104 die Kriterien für eine schwere Erkrankung. Die Forscher fanden heraus, dass 64 Prozent aller Patienten (153 Patienten) Tocilizumab erhielten.

Patienten mit schwerer Erkrankung erhielten mit höherer Wahrscheinlichkeit Tocilizumab als nicht schwer erkrankte Patienten (90 gegenüber 44 Prozent) und wiesen eine kürzere mediane Dauer von der Aufnahme bis zur Verabreichung von Tocilizumab (zwei gegenüber drei Tagen) auf.

Patienten mit schwerer COVID-19-Erkrankung, die Tocilizumab erhielten, wiesen bei der Aufnahme höhere Spiegel hochsensitiver C-reaktiver Proteine auf (120 versus 71 mg/L).

Bei den mit Tocilizumab behandelten Patienten betrug die 14-Tage-Überlebensrate 87 Prozent und unterschied sich nicht signifikant nach dem Schweregrad der Erkrankung.

Bei den mit Tocilizumab behandelten Patienten, die mechanisch beatmet werden mussten, betrug die Überlebensrate 75 Prozent.

Nach der Verabreichung von Tocilizumab traten nur wenige unerwünschte Ereignisse auf, und es kam zu einer Verbesserung der Oxygenierung und der Entzündungsbiomarker.

Die D-Dimer- und löslichen Interleukin-2-Rezeptor-Spiegel stiegen signifikant an.

Nach der Alterskontrolle war die Überlebensrate bei Schwarzen und Hispaniern signifikant höher als bei Weißen.

Dieser frühe Bericht hat interessante Erkenntnisse für zukünftige randomisierte Studien erbracht, schreiben die Autoren. Bis zum Abschluss solcher Studien kann die Anwendung von Tocilizumab jedoch dazu führen, dass die Sterblichkeitsrate bei einer Untergruppe von Patienten mit Anzeichen von CRS niedriger ausfällt als erwartet, schreiben die Autoren.
© arznei-news.de – Quellenangabe: CHEST – DOI: https://doi.org/10.1016/j.chest.2020.06.006 showArticle Info.

RoActemra, Actemra verbunden mit 45% geringerem Sterberisiko bei COVID-19-Patienten an Beatmungsgeräten

14.07.2020 Schwererkrankte COVID-19-Patienten, denen eine Einzeldosis Tocilizumab (Handelsnamen RoActemra, Actemra) verabreicht wurde, starben laut einer in Clinical Infectious Diseases veröffentlichten Studie insgesamt mit 45% geringerer Wahrscheinlichkeit und hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit, einen Monat nach der Behandlung aus dem Krankenhaus entlassen zu werden oder die Beatmungsmaschine nicht mehr nutzen zu müssen als diejenigen, die das Medikament nicht erhielten.

Das niedrigere Sterberisiko bei mit intravenösem Tocilizumab behandelten Patienten trat auf, obwohl sie mit doppelter Wahrscheinlichkeit zusätzlich zu dem neuartigen Coronavirus eine weitere Infektion entwickelten.

Dies deute darauf hin, dass rechtzeitige und gezielte Bemühungen zur Beruhigung des “Zytokinsturms”, der durch die Überreaktion des Immunsystems auf das Coronavirus verursacht wird, von Vorteil sind, schreiben die Studienautoren um Emily C Somers von der University of Michigan.

Die Studie

Die Forscher stützen ihre Schlussfolgerungen auf eine umfassende Auswertung der Daten von 154 schwerkranken Patienten, die in den ersten sechs Wochen nach Einsetzen der Pandemie von Anfang März bis Ende April im Michigan Medicine. Bei der Analyse wurden die Patientenakten bis Ende Mai ausgewertet.

In dieser Zeit, als noch wenig darüber bekannt war, was COVID-19-Patienten an Beatmungsgeräten helfen würde, erhielt etwa die Hälfte der untersuchten Patienten Tocilizumab und die Hälfte nicht. Die meisten erhielten es innerhalb der 24-Stunden-Frist zu ihrer Intubation.

Mortalität; Beatmungsdauer

Am Ende des 28-tägigen Zeitraums nach dem Beginn der Beatmung der Patienten mit Machinen waren 18% der mit Tocilizumab behandelten Patienten gestorben, verglichen mit 36% der Patienten, die kein Tocilizumab erhalten hatten.

Bereinigt um die Gesundheitsmerkmale bedeutet dies einen Rückgang der Mortalität um 45%. Von denjenigen, die sich am Ende des Studienzeitraums noch im Krankenhaus befanden, hatten 82% der mit Tocilizumab behandelten Patienten das Beatmungsgerät nicht mehr benutzt, verglichen mit 53% derjenigen, die das Medikament nicht erhielten.

Insgesamt entwickelten 54% der Tocilizumab-Patienten eine Sekundärinfektion, meist eine beatmungsassoziierte Lungenentzündung; 26% der Patienten, die kein Tocilizumab erhielten, entwickelten solche Infektionen. Solche “Superinfektionen” verringern in der Regel die Überlebenschancen von COVID-19-Patienten.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Clinical Infectious Diseases, ciaa954, https://doi.org/10.1093/cid/ciaa954.

Update: Phase III-Studie COVACTA zu Actemra/RoActemra bei hospitalisierten Patienten mit schwerer COVID-19-assoziierter Lungenentzündung

29.07.2020 Roche berichtet, dass die Phase-III-Studie COVACTA zu Actemra/RoActemra (Wirkstoff Tocilizumab) den primären Endpunkt der Verbesserung des klinischen Status bei hospitalisierten erwachsenen Patienten mit schwerer COVID-19-assoziierter Lungenentzündung nicht erreicht hat.

Darüber hinaus wurden die wichtigsten sekundären Endpunkte, zu denen der Unterschied in der Patientenmortalität in der vierten Woche gehörte, nicht erreicht; bei den mit Actemra/RoActemra behandelten Patienten zeigte sich jedoch ein positiver Trend in der Zeit bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus.

In der COVACTA-Studie konnten keine neuen Sicherheitssignale für Actemra/RoActemra identifiziert werden.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Roche.