Antidepressiva gegen Schmerzen

Erfahrungen, Erfahrungsberichte zu diesen Medikamenten

Nebenwirkungen von Antidepressiva bei der chronischen Schmerzlinderung

12.10.2017 Chronische Schmerzen beeinträchtigen die Lebensqualität. Oftmals sind rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Aspirin bei der Linderung chronischer Schmerzen unwirksam. In diesen Fällen wird oft ein Medikament zur Behandlung einer völlig anderen Krankheit eingesetzt – Depression.

Wirksame Schmerzlinderung

Bei einer niedrigeren Dosierung als zur Behandlung von Depressionen können Antidepressiva chronische Schmerzen lindern, die von diabetischer Neuropathie, Migräne und Spannungskopfschmerzen bis hin zu Arthrose und Fibromyalgie reichen. Tatsächlich sind sie so effektiv, dass Antidepressiva die Hauptsäule zur Behandlung chronischer Schmerzen sind.

Toleranz / Verträglichkeit

Wie die meisten verschreibungspflichtigen Medikamente können Antidepressiva jedoch erhebliche Nebenwirkungen auslösen. Die Fähigkeit, diese Nebenwirkungen zu tolerieren, variiert von Person zu Person und kann von anderen Medikamenten abhängen, die der Patient bereits einnimmt, und von anderen Erkrankungen.

Daher könnte die Vorhersage der Fähigkeit, solche Nebenwirkungen zu tolerieren, entscheidend für den Erfolg eines Antidepressivums bei der Schmerzbehandlung sein, so ein kürzlich erschienener Artikel von Dr. Carina Riediger und Kollegen in der Arbeitsgruppe von Dr. Timo Siepmann am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden.

Um Ärzten dabei zu helfen, chronischen Schmerzpatienten ein geeignetes Antidepressivum zur Verfügung zu stellen, führte die Gruppe eine systematische Studie und Metaanalyse der berichteten unerwünschten Wirkungen für eine Reihe gängiger Antidepressiva durch, die jeweils ihr eigenes Nebenwirkungsprofil aufwiesen.

Diese Antidepressiva fallen in verschiedene Kategorien aufgrund ihres Wirkmechanismus, wie z. B. trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin und Nortriptilin, und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wie Venlafaxin, Duloxetin und Milnacipran.

Nebenwirkungsprofile

Die in der Zeitschrift Frontiers in Neuroscience publizierte Studie sammelte alle in der klinischen Literatur in den letzten zwei Jahrzehnten berichteten Nebenwirkungen für diese Medikamente.

Diese Nebenwirkungen reichten von Schwindel, Mundtrockenheit und Schläfrigkeit über Herzklopfen, Gewichtszunahme, sexuelle Störungen und Harnfunktionsstörungen bis hin zu Bluthochdruck, um nur einige zu nennen.

Die Forscher berücksichtigten auch, ob die Behandlung wegen der Schwere dieser Nebenwirkungen abgebrochen wurde. Das Abbruchrisiko aufgrund unerwünschter Nebenwirkungen war bei Desipramin am höchsten, gefolgt von Milnacipran, Venlafaxin und Duloxetin.

Dr. Riedigers Studie fand heraus, dass fast alle Antidepressiva signifikante Nebenwirkungen aufwiesen, und kein Medikament war anderen deutlich überlegen.

Personalisierte Medizin

Klinische Daten haben aber auch gezeigt, dass manche Menschen bestimmte Nebenwirkungen besser vertragen als andere, und deshalb empfehlen die Autoren eine personalisierte Medizin.

Zum Beispiel, Schwindel und Benommenheit als Nebenwirkungen können nicht akzeptabel sein für Personen, die Fahrzeuge fahren oder schwere Maschinen bedienen.

Auf der anderen Seite: Eine gewisse Sedierung könnte toleriert werden, und ist vielleicht sogar wünschenswert, bei einem chronischen Schmerzpatienten mit Schlafstörungen oder Schlaflosigkeit, schreiben die Forscher.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Technische Universität Dresden; Frontiers in Neuroscience – DOI: 10.3389/fneur.2017.00307; Sept. 2017

Helfen Antidepressiva bei chronischen Rücken- / Ischiasschmerzen und Arthroseschmerzen?

21.01.2021 Eine im BMJ veröffentlichte Studie untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von Antidepressiva zur Behandlung von Rückenschmerzen und Arthrose-(Schmerzen) im Vergleich zu Placebo.

Die Autoren hoffen, dass diese Studie Klinikern und Patienten helfen kann, fundiertere Entscheidungen darüber zu treffen, ob sie chronische Rückenschmerzen und Arthroseschmerzen mit Antidepressiva behandeln sollten.

33 Studien (5.318 Teilnehmer) wurden von Dr. Giovanni Ferreira, University of Sydney, und Kollegen ausgewertet.

  • Mit mittlerer Sicherheit zeigte sich, dass Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) Rückenschmerzen (mittlere Differenz -5,30, 95% Konfidenzintervall -7,31 bis -3,30) nach 3-13 Wochen verringerten und mit geringer Sicherheit, dass SNRI Arthroseschmerzen (-9,72, -12,75 bis -6,69) nach 3-13 Wochen verringerten.
  • Mit sehr geringer Sicherheit zeigte sich, dass SNRI Ischiasschmerzen nach zwei Wochen oder weniger verringerten (-18,60, -31,87 bis -5,33), aber nicht nach 3-13 Wochen (-17,50, -42,90 bis 7,89).
  • Mit geringer bis sehr geringer Sicherheit zeigte sich, dass trizyklische Antidepressiva (Trizyklika) Ischiasschmerzen nach zwei Wochen oder weniger nicht verringerten (-7,55, -18,25 bis 3,15), wohl aber nach 3-13 Wochen (-15,95, -31,52 bis -0,39) und 3-12 Monaten (-27,0, -36,11 bis -17,89).
  • Mit mäßiger Sicherheit verringerten SNRI die Beeinträchtigung durch Rückenschmerzen nach 3-13 Wochen (-3,55, -5,22 bis -1,88) und die Beeinträchtigung durch Arthrose nach zwei Wochen oder weniger (-5,10, -7,31 bis -2,89), mit geringer Sicherheit nach 3-13 Wochen (-6,07, -8,13 bis -4,02).
  • Trizyklika und andere Antidepressiva verringerten nicht die Schmerzen oder die Beeinträchtigung durch Rückenschmerzen.

© arznei-news.de – Quellenangabe: BMJ – DOI: 10.1136/bmj.m4825.

Schreiben Sie uns >> hier << über Ihre Erfahrungen und lesen Sie die Erfahrungsberichte zu diesen Medikamenten.

Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren