Psilocybin als Medikament

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Herstellung, Synthetisierung von Psilocybin geglückt

19.08.2017 Nach einem halben Jahrhundert vergeblicher Versuche konnte Psilocybin (der Wirkstoff der ‚magischen Pilze‘) nun im Labor synthetisiert werden.

Ein Team von Forschern an der Friedrich-Schiller-Universität Jena konnte demonstrieren, wie man Psilocybin synthetisiert – der Wirkstoff aus den ‚magic mushrooms‘ und verantwortlich für die psychischen Effekte bzw. Halluzinationen, die die Pilze bei Menschen hervorrufen.

In der Zeitschrift Angewandte Chemie beschreiben die Wissenschaftler die Isolation der benötigten Enzyme, um die Chemikalie zu erzeugen, das entwickelte ‚Herstellungsrezept‘ und die Erzeugung von Psilocybinproben in ihrem Labor.

Psychoaktive Wirkungen

Die Menschen wissen seit Hunderten oder sogar Tausenden von Jahren von den halluzinogenen Wirkungen bestimmter „Zauberpilze“ im menschlichen Gehirn. Aber erst Albert Hofman konnte die psychoaktiven Zutaten im Jahre 1958 isolieren.

Seit dieser Zeit haben viele Wissenschaftler versucht, herauszufinden, wie Pilze Psilocybin erzeugen, um es künstlich synthetisieren und als Arzneimittel verkaufen zu können. Bemerkenswert sei auch – so die Forscher – dass sich das Kultivieren von Zauberpilzen für den kommerziellen Gebrauch als Medikament aufgrund der einzigartigen Eigenschaften der Pilze als schwierig erwiesen hat.

Genom-Sequenzierung

Um zu erforschen, wie Pilze auf natürlichem Wege Psilocybin herstellen, sequenzierten die Forscher die Genome von zwei der wichtigsten Arten von psilocybinhaltigen Pilzen, was es ihnen erlaubte, die Gene zu isolieren, die für die Herstellung der Enzyme verantwortlich sind und zur Entstehung von Psilocybin führen.

Als nächstes entwickelten sie Pilze und Bakterienproben, um ihre ersten Befunde zu bestätigen und um die Reihenfolge zu begreifen, in der die Synthese stattfand. Wie sich herausstellte, gibt es vier Enzyme, die an dem Prozess beteiligt sind, aber nur drei von ihnen (PsiD, PsiK und PsiM) werden benötigt, um die Chemikalie im Labor herzustellen.

Behandlung von Depression, Angststörungen und Süchte

Mit Hilfe dieser Informationen entwickelten die Forscher ein Rezept für eine „Eintopfreaktion“ für die Psilocybinerzeugung auf Nachfrage, unter Verwendung der Enzyme, die sie isoliert hatten. Sie stellten dann zum ersten Mal Proben von Psilocybin in ihrem Labor her.

Ihre Bemühungen können den Weg für die kommerzielle Psilocybinproduktion als Medikament zur Verwendung bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen wie Depression oder Angststörungen, oder sogar für die Raucherentwöhnung ebnen, schreiben die Wissenschaftler.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Angewandte Chemie – DOI 10.1002/anie.201705489; Aug. 2017

Sicherheit: Klinische Phase-1-Studie mit Psilocybin zeigt keine Nebenwirkungen

16.12.2019 Ein Team von Forschern des King’s College London und des Psychiatrieunternehmens Compass Pathways hat die Ergebnisse einer klinischen Phase-1-Studie für das Medikament Psilocybin auf der Jahrestagung des American College of Neuropsychopharmacology veröffentlicht.

Psilocybin ist der Wirkstoff in den sogenannten ‚Zauberpilzen‘ oder ‚Mushrooms‘ – es ist eine psychedelische Droge, d.h. der Konsum verursacht halluzinogene Symptome. In den letzten Jahren haben Psychologen und Psychiater die Möglichkeit untersucht, den Wirkstoff zur Behandlung von chronischen Depressionen einzusetzen.

In den meisten Fällen wäre die Verschreibung von Psilocybin eine Behandlung der letzten Wahl für Patienten, die auf keine andere Art von Behandlung angesprochen haben.

Die Phase-1-Studie sollte nur die Sicherheit des Medikaments testen – es wurde nicht untersucht, ob Psilocybin die Symptome von Depressionen reduziert. Keiner der Freiwilligen litt unter Depressionen.

In der doppelblinden Studie erhielten 89 gesunde Probanden eine Dosis von 10 oder 25 mg des Medikaments (oder eines Placebos) und bekamen anschließend Therapiesitzungen. Jeder der Freiwilligen wurde bis zu 12 Wochen lang auf Nebenwirkungen untersucht. Die Therapiesitzungen wurden mit einer unterschiedlichen Anzahl von Teilnehmern durchgeführt, von einer bis zu sechs Personen.

Die Forscher wollten wissen, ob die Behandlung von Patienten in Gruppen im Vergleich zu Einzelpersonen einen Einfluss auf das Ergebnis haben könnte.

Die Wissenschaftler berichten, dass es bei keinem der Probanden zu schwerwiegenden Nebenwirkungen gekommen sei. Geringfügige Nebenwirkungen waren psychedelischer Natur. Sie fanden auch heraus, dass bei keinem der Teilnehmer Störungen der kognitiven Funktionen oder es emotionale Nebenwirkungen auftraten.

Ihre Ergebnisse scheinen damit die Machbarkeit der Verwendung von Psilocybin als Medikament zur Behandlung chronischer Depressionen in Verbindung mit Therapiesitzungen zu zeigen.

Vertreter des King’s College stellten fest, dass es sich um die bisher größte Studie über Psilocybin handelte, und beschrieben die Ergebnisse als vielversprechend.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Compass Pathways / PR Newswire





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