Alzheimer-Medikamente

Medikamentenforschung in der Sackgasse

12.07.2014 Eine Überprüfung vorhandener Forschungsstudien hinsichtlich pharmakologischer Lösungen für die Alzheimer Krankheit zeigt einen Forschungsbereich, der derzeit nicht mal den Ansatz einer Therapie/Behandlung stellen kann.

„Unser Ziel war es, historische Tendenzen zu prüfen, um zu verstehen, warum die Anstrengungen zur Entwicklung von Alzheimer Behandlungsmethoden so oft fehlschlagen“, sagte Jeffrey L. Cummings, Direktor der Cleveland Clinic.

Immens hohe Ausfallrate

„Etwa 44 Millionen Menschen leben weltweit mit dieser Erkrankung und angesichts dieses Ausmaßes benötigt die Forschung zur Entwicklung neuer Medikamente mehr Unterstützung.“

Zusammenfassend ergab die Studie:

  • es befinden sich nur relativ wenige Medikamente in der Entwicklung gegen die Alzheimer-Krankheit;
  • die Ausfallrate beträgt bei der Entwicklung von Alzheimer-Medikamenten 99,6 Prozent im Jahrzehnt 2002-2012;
  • die Anzahl der Medikamente hat seit 2009 abgenommen.

„Durch die Analyse von sowohl bereits beendeten als auch laufenden Studien waren wir in der Lage, einen Einblick in langfristige Trends der Medikamentenentwicklung zu bekommen“, sagten die Forscher.

„Wir fanden, dass die Investitionen in Alzheimer-Medikamente und Therapien relativ klein sind, verglichen mit der Herausforderung, die die Krankheit darstellt. Die Pipeline ist fast ausgetrocknet.“

Repurposing

Diese umfassende Analyse demonstriert die immens hohe Ausfallrate der Wirkstoffe und den Bedarf nach einem konstanten Angebot neuer Medikamente oder eines höheren Fokus auf das Repurposing (Verwenden von vorhandenen Medikamenten für neue Indikationen), wodurch ihre Wirksamkeit bei Alzheimer beurteilt werden kann.

Alzheimer kostet die Wirtschaft mehr als Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs, und deshalb glaubt das Forscherteam, dass das Entwicklungssystem bei Alzheimer-Medikamenten unterstützt, angetrieben und koordiniert werden muss, um die Erfolgsrate und Entwicklung von neuen Arzneimitteln bzw. Therapien zu verbessern.

Um den Medikamentenentwicklungsprozess zu beschleunigen und die Notwendigkeit zu reduzieren, konstant völlig neue Arzneimittel zu entwickeln, weisen die Forscher auf den Bedarf nach neupositionierten Studien, die ein bereits genehmigtes Medikament in neuer Verwendung oder Erkrankung untersuchen.

Zum Beispiel führen die Forscher der Cleveland Clinic die klinische Phase-IIa-Studie an, die Bexaroten (Targretin) untersucht, ein Arzneimittel gegenwärtig von der US-FDA zur Behandlung von Hautkrebs genehmigt: Das Medikament kann eine Proteinansammlung im Gehirn von Alzheimer Patienten entfernen – wie in einem neuen Tierversuch demonstriert.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Cleveland Clinic, Alzheimer’s Research & Therapy, Juli 2014

Verringertes Alzheimerrisiko durch Bluthochdruck (oder -Medikamente)

30.06.2015 Laut einer in der Zeitschrift PLOS Medicine veröffentlichten Studie haben Menschen mit einer genetischen Anfälligkeit für die Entwicklung von Bluthochdruck (Hypertonie) ein reduziertes Risiko für die Alzheimer-Krankheit.

Möglicherweise hat der Zusammenhang aber auch mehr mit den verabreichten Medikamenten gegen Hypertonie zu tun, vermuten die Forscher von der Brigham Young University (BYU).

Die Wissenschaftler analysierten die genetischen Daten von 17.008 Personen mit Alzheimer und von 37.154 nicht erkrankten Personen.

Zusammen mit Kollegen der Universitäten von Cambridge, Aarhus und Washington und der Hilfe des Supercomputers der BYU wurden 32 Datensätze für die Analyse zusammengefasst.

Die Forscher suchten nach Verbindungen zwischen der Alzheimer-Krankheit und verschiedenen Erkrankungen wie z.B. Diabetes, Fettleibigkeit und zu hohes Cholesterin, aber sie fanden nur eine deutliche Verbindung zwischen einem erhöhten systolischen Blutdruck und dem reduzierten Alzheimer-Risiko.

Es könnte sein, dass ein hoher Blutdruck schützt, aber es könnte auch sein, dass Personen mit zu hohem Blutdruck häufiger Antihypertensiva (Bluthochdruck-Medikamente) nehmen und so vor der Alzheimer-Krankheit geschützt werden, sagten die Forscher.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Quellenangabe: Brigham Young University, PLOS Medicine; Juni 2015

Liste der bei Alzheimer-Krankheit eingesetzten Medikamente

Fünf Medikamente werden derzeit hauptsächlich zur Behandlung der kognitiven Probleme von Alzheimer eingesetzt: vier sind Acetylcholinesterase-Hemmer:

  • Tacrin,
  • Rivastigmin,
  • Galantamin und
  • Donepezil;
  • Memantin ist ein NMDA-Rezeptor-Antagonist.

Der Nutzen ihrer Anwendung ist gering: Es wurde nicht nachgewiesen, dass diese Medikamente das Fortschreiten der Krankheit verzögern oder stoppen.

Liste weiterer Medikamente, die bei Alzheimer eingesetzt werden oder sich in der Erprobungsphase befinden:

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